Meistens hat man keine Ruhe, wenn man mit Kindern essen geht. Manchmal geschieht ein kleines Wunder. Erstmal.

Wir hatten einen langen Tagesausflug mit Freunden hinter uns, der im Stau endete. Wir fielen unterzuckert, dehydriert und mit schlecht gelaunten Kindern in einem kleinen Ort an der Ostsee ein, auf der Suche nach einer Fischbude. Wir konnten es kaum glauben, als wir eine Pizzeria entdeckten. Mit großem schattigen Biergarten. Mit einem Schild "Kits willkommen!" neben dem Eingang und Kinderpizzen auf der Karte, die "Becki Bauer" und "Trappo Toni" hießen. Die blonde Bedienung reagierte auf unseren weltläufig-italienischen Gruß zwar ratlos, sagte dann aber beim Bestellen strahlend: "Für jedes Kind gibt es eine tolle Wundertüte!"

Schlagartig wich die dumpf-erschöpfte Stimmung an unserem Tisch. Luise und ihre Freundin Mia vergaßen zu quengeln. Die Mütter sagten: "Das ist ja wirklich nett." Wir Väter nickten und legten das schmerzende Kupplungsbein hoch.

Gemessen an dem, was wir erwarteten, nämlich nichts, waren die Tüten phänomenal. Jede enthielt einen ausziehbaren Schaumstoff-Zauberstab, einen kleinen grünen Plastikfrosch, der mit einer Spiralfeder hüpfen konnte, und eine Klapper aus drei Plastikteilen, zusammengehalten mit einem Gummiband. Obendrein wären die Tüten  zum Ausmalen geeignet gewesen, hätten Luise und Mia sie nicht wie zwei gierige Raptoren beim Öffnen in Stücke gefetzt. Aber das war egal, denn sie spielten – es war himmlisch.

Wir Erwachsene lehnten uns zurück und genossen die Luft, das Vogelgezwitscher, die Ruhe, nur gelegentlich unterbrochen vom Lachen unserer Kinder. Was machte es, dass die Getränke warm waren, als sie endlich kamen? Dass einer der beiden grünen Hüpffrösche nach drei Minuten im Glas des Nachbargastes landete, während der andere im grünen Gras verscholl, tat nichts zur Sache, es gab ja genug Spielzeug.

Etwa den Zauberstab, der sich sogar in zwei Hälften teilen ließ, die mir Luise hilfesuchend entgegen hielt. Ich schob die Stücke wieder ineinander. Ohne bleibenden Erfolg. Ich riet meiner Tochter, beide Stücke separat zu verwenden. Luises Augen füllten sich mit Tränen.

Schnell lenkte meine Liebste sie mit der Klapper ab. Nur kurz: Mia riss sie ihr aus der Hand, weil das Gummi ihrer eigenen Klapper gerissen war. Dass dabei auch bei dieser Klapper das Gummiband riss, war nicht erstaunlich. Dass dagegen auch der zweite Zauberstab auseinander flog, kaum hatte Mia ihn berührt, grenzte wirklich an Zauberei. Mia jedenfalls schob die Unterlippe vor.

"Tu doch endlich was!", sagte Mias Mutter zu Mias Vater.