Eine Frage: Was tun Sie so für Ihr Kind?

Ich beispielsweise stand am Donnerstag um halb fünf Uhr auf. Warf einen letzten, liebevollen Blick auf meine schlafende Familie. Duschte kalt. Zog lange Unterhosen an, Wintersocken, Regenhose, Regenjacke. Packte den Rucksack mit Brot, Wasser, Tee, Taschenlampe und iPad. Klemmte einen Klappstuhl vom Balkon unter den Arm. Und ging hinaus in den unbarmherzigen Regen. Bis zum Sportverein.

Im Kindergarten unserer Tochter wird auch Sport gemacht. Zumindest ein bisschen, man kennt die Lage in den Kindergärten. Aber Luise ist sehr sportlich. Sie turnt und springt gerne. Ständig. Neulich beim Schlafengehen hopste sie "Jipiii!!!"-rufend vom Bett auf den Nachttisch und machte meine Ersatzbrille platt.

Im Sportverein bei uns im Viertel gibt es da etwas Tolles: eine Kindersportschule, in der Jungs und Mädchen alle möglichen Sportarten ausprobieren können. Egal welche Eltern wir fragten, alle bekamen leuchtende Augen: "Das ist super! Max/Mia/Leonie macht nichts lieber als das! Meldet Luise dort an, unbedingt! Vielleicht schafft ihr es..."

Ohne auf den Nachsatz zu achten meldete ich Luise letztes Jahr im Sommer per Mail dort an, bekam Bescheid, ich stünde auf der Warteliste, weiter passierte nichts. Im Winter fragte ich den Vater von Luises Kindergartenfreundin Leonie, ob das normal sei. Er kicherte. "Weißt du, wie viele Eltern ihre Kinder dort anmelden wollen? Und weißt du, wie wenige Plätze es gibt? Auf der Warteliste stehen Hunderte!"

Ich schluckte. "Aber wie", fragte ich, "wie habt ihr Leonie...?"
Er senkte die Stimme. "Es gibt einen Tag. Einen einzigen Tag im Jahr, an den alle Wartelisten ihre Gültigkeit verlieren. An dem man wirklich die Chance hat, sein Kind anzumelden – man muss nur früh aufstehen. Und ich meine früh. Denn alle wollen da hin."
"Was heißt früh?", fragte ich.
"Also, ich habe damals am Abend davor ein Konzert gegeben und bin dann gleich hingegangen."
Er sah nicht aus, als ob er scherzte.

Der Vater von Max behauptete zwar, es sei alles halb so wild. Aber dann fiel ihm ein, dass er das mit der Anmeldung an der Instrumentenschule verwechselte, die sich zwei Jahre hinzog und wöchentliches Erscheinen beim Musikdirektor erforderte. "Das war im Rahmen. Wir mussten den Idioten nicht mal zum Essen einladen. Aber die Kindersportschule... Ich wünsche dir Glück!"

Meine Liebste empfing mich mit der Nachricht, der Tag der Einschreibung stehe unmittelbar bevor. Und für Luises Altersklasse gebe es einen Kurs. Nur einen!

Heute weiß man, wie wichtig Sport ist, auch für das Denkvermögen, den Lernerfolg, die Karriere. Was also kann man Besseres für die Zukunft seines Kindes tun? "Ich sorge dafür, dass Luise in diesen Kurs kommt", schwor ich, "egal, wen ich aus dem Weg räumen muss." Meine Liebste meinte, ob wir nicht versuchen sollten, wenigstens für die ersten Stunden des Wartens eine von Luises Babysitterinnen zu gewinnen.