Jeden Morgen, wenn ich unsere Kita verlasse, packt mich das schlechte Gewissen. Nicht, weil ich mein Kind gerade in die Obhut einer Erzieherin gegeben habe. Nein, weil ich weiß, dass diese Erzieherin zu wenig Wertschätzung erfährt.

In Berlin, wo ich lebe, bekommt eine Berufsanfängerin in diesem Job etwa 1.500 Euro netto. Ähnlich niedrig wie die Bezahlung ist auch der gesellschaftliche Status dieser meist weiblich besetzten Jobs. Im Vergleich zu Schullehrern werden die Lehrer der Kleinkinder nicht besonders ernst genommen.

Zwar freuen wir uns über jede Studie, die die Bedeutung frühkindlicher Förderung betont. Akzeptieren aber zugleich, dass die Menschen, die sich darum kümmern, wie Hilfsarbeiter bezahlt werden.

Dabei verdanken wir unsere Karrieren (und damit meine ich nicht nur die der Frauen) zu einem großen Teil den Erzieherinnen und Erziehern unserer Kinder. Auch sie verdienen einen Beruf mit Entwicklungspotenzial und angemessener Bezahlung.

Stattdessen drohen den Erzieherinnen die negativen Folgen vieler sozialer Berufe: ständige physische und psychische Überlastungen. Viele Kita-Mitarbeiter können ihre zahlreichen Überstunden gar nicht abfeiern. Wer geht schon pünktlich nach Hause, wenn eine Zweijährige schreit? Oder die Eltern erst später als gedacht aus dem Job kommen? 

Dies soll keine weitere Anklageschrift gegen den Staat sein, der seine Milliarden in fehlgeplante Euro Hawks, Bahnhöfe oder Flughäfen versenkt. Es ist vielmehr ein Appell an mich selbst und alle Eltern.

Warum engagieren wir uns nicht mehr? Warum zeigen wir so wenig Solidarität? Weil die Suche nach einem geeigneten Kita-Platz unser Nervenkostüm schon genug beansprucht hat? Weil wir so sehr damit beschäftigt sind, den ersten Ablöseprozess vom Kind zu verkraften? Oder weil uns vielleicht sogar ein wenig Eifersucht plagt, wenn die Kleinen begeistert auf ihre Erzieherin zurennen?