Morgens meine Tochter zu wecken, ist verdammt schwer. Sie hat diesen grässlichen Eulen-Schlafrhythmus, möchte also am liebsten von 23 Uhr bis 10 Uhr schlafen, und den Rhythmus zu verändern ist nicht einfach. Man kann Kinder ja nicht wie kleine Roboter umprogrammieren. Höchstens kann man versuchen, sie äußeren Umständen anzupassen und hoffen, dass sie mitspielen.

Tja, das gelingt mir mehr schlecht als recht. Morgens dreht sich meine Tochter so lange im Bett hin und her, als wäre sie taub und aus Beton. Manchmal hilft da nur noch Musik. Irgendwie ist es niedlich, wie sie sich aus dem Schlaf in die traurige Realität wippt. Nach dem Aufstehen habe ich vielleicht 15, 20 Minuten, um mit ihr zu spielen und sie zu stillen. Dann muss ich sie schon an die Oma übergeben. Das klappt zum Glück ganz gut, zumindest solange ich noch da bin. Wenn ich gehe, fängt meine Tochter meistens an zu weinen, und das bricht mir verdammt noch mal das Herz. Oft versuche ich es mit einem dummen Trick: Ich lenke sie ab, schicke die Oma nach vorne und verkrümele mich dann heimlich. Ich würde es nicht ertragen zu gehen, während sie weinend zusieht. Hört das eigentlich jemals auf? Wie machen andere das bloß?

Ich hoffe, mich sieht jetzt keiner als Jammerfrau. Und wenn doch, ist es mir auch egal. So. Bin ich eben eine. Ist es etwa schlecht, sich Sorgen um sein Baby und die Kinder anderer zu machen? Natürlich ist es wichtig, Geld zu verdienen und als Mutter nicht komplett aus dem Berufsalltag katapultiert zu werden. Man will ja auch später nicht in der Altersarmut landen. Aber wie soll man da noch individuell auf die Bedürfnisse seiner Kinder eingehen?

Gibt es überhaupt Einjährige, die problemlos fremdbetreut werden können? Und mit problemlos meine ich nicht eventuellen Ärger mit dem Betreuer, sondern das Gefühlsleben der Kinder. Wir reißen vielleicht keine enormen Wunden in ihre Seelen, aber wir tun ihnen ganz sicher auch nichts besonders Gutes damit. Wir härten sie zu einem Zeitpunkt ab, an dem sie noch verwöhnt werden müssten. Und nicht nur das, auch wir Mütter werden innerlich zerrissen bei dieser Gratwanderung.

Ganz ehrlich, für mich selbst ist es gut, wieder zu arbeiten und rauszukommen, mich wieder als Bestandteil der Gesellschaft zu fühlen. Aber die ganze Zeit habe ich dieses massiv schlechte Gewissen. Und sobald ich nach der Arbeit zu Hause bin, klammert sich meine Tochter an mein Hosenbein und fängt sofort an zu brüllen, wenn ich auch nur Anstalten mache, mich einen Schritt zu entfernen.

Diese Zerrissenheit kennen wahrscheinlich viele Mütter, aber kaum eine traut sich, darüber zu sprechen. Wir wollen ja alle mit der Zeit gehen, stark sein, unabhängig, emanzipiert. Und bloß nicht als Jammerfrauen gelten.