Eigentlich würde ich für meine Kinder gerne eine Kita-Betreuung in Anspruch nehmen, um wieder arbeiten zu können. In meinem Fall ist das aber schwierig. In meinem gelernten Beruf als Buchhändlerin, in dem ich normale Arbeitszeiten hätte, gibt es in unserer Gegend keine Stellen. Vor der Geburt der Kinder war ich deshalb als Theaterleiterin im Kino tätig, wo eine normale Schicht um etwa 14 Uhr beginnt und erst dann endet, wenn der letzte Film durch ist und das Kino sau­ber. Also gerne mal um 23.30 Uhr.

Weil mein Mann im Schichtdienst arbeitet, ist er in diesem Zeitraum nicht immer zu Hause. Allein zu Hause bleiben können die Kinder aber nicht, denn sie sind erst ein beziehungsweise zwei Jahre alt. Und Kindergärten, die sich dem Schichtsystem ange­passt und 24 Stunden am Stück geöff­net haben, gibt es hier auf dem Dorf nicht. Der nächste wäre ver­mut­lich in Hamburg, das wären aber knapp 30 km für eine Strecke. Das ist nicht wirk­lich mach­bar.

Hinzu kommt: Will ich dass meine Kinder so auf­wach­sen? Will ich, dass sich Erzieherinnen auch nachts um meine Kinder küm­mern? Nein. Das will ich nicht und mein Mann will es auch nicht.

Aber wir haben eine Lösung gefunden: Ich lasse mich zur Tagesmutter ausbilden. So schlagen wir zwei Fliegen mit einer Klappe: Ich kann unsere Kinder bis zur Einschulung selbst betreuen und gleichzeitig berufstätig sein. Langweilig wird unseren Kindern in der Zeit auch nicht, denn es werden ja immer Kinder zu uns kommen.

Die Ausbildung zur Tagesmutter beinhal­tet auch Pädagogisches – es ist also nicht so, dass die Kinder im Gegensatz zu einem Kindergarten nichts ler­nen wür­den bei uns. Generell bin ich sehr ange­tan vom Konzept einer fami­liä­ren Tagesmutter, bei dem es viele Schnittmengen mit einer Kita gibt. Dieses Konzept möchte ich bei meiner eigenen Arbeit als Tagesmutter umsetzen.

Wir haben außerdem geplant, dass alle unsere Kinder min­des­tens das letzte Kindergartenjahr vor der Schule mit­ma­chen, damit sie unabhängiger werden und lernen, dass es auch ohne Mama funk­tio­nie­rt. Obwohl ich mir da eigentlich keine großen Sorgen mache.

Wenn mich dann noch­ mal jemand fragt, warum unsere Kinder noch nicht in der Kita sind, werde ich antworten: Weil es nicht in unser Leben passt. Weil es nicht unse­ren Werten und Vorstellungen ent­spricht. Weil wir es lieber anders machen wollen.