Wie viel Geld fürs Kind? – Seite 1

Mehr Häuser, mehr Pflanzen, mehr Schlümpfe – umgerechnet rund 3.000 Euro ließ sich ein Sechsjähriger in den USA die Verschönerung seines virtuellen Dorfes in der Kinder-App Smurfs kosten. Das reale Geld verwandelte er mit wenigen Fingertipps in Schlumpfbeeren und finanzierte so das Luxusleben der blauen Comicfiguren.

Nicht allen Eltern ist bewusst, dass ihr iTunes-Zugang nach Eingabe des Passwortes für 15 Minuten freigeschaltet bleibt. Und sogar ohne elterliches iTunes-Kennwort können Kinder online shoppen, sie müssten lediglich bei der Spiele-App eingeloggt sein. Im Januar erklärte sich Apple nach einer Sammelklage bereit, umgerechnet rund 24 Millionen Euro an Eltern zu erstatten, deren Kinder unbeaufsichtigt im App-Store einkaufen gingen.

Kinder sollten Erfahrungen mit Geld erst in der realen Welt sammeln, um den Wert von virtuellen Ausgaben überhaupt verstehen zu können, sagen Experten. "Es ist wichtig, dass Kinder möglichst früh Taschengeld bekommen, um ein Gefühl für den Wert von Geld zu entwickeln", sagt Finanzexpertin Annabel Oelmann von der Verbraucherzentrale NRW. Kinder lernten schnell und intuitiv, mit ihrem Geld hauszuhalten. Wer es erst als Erwachsener lernen müsse, für den sei das harte Arbeit.

Erst wöchentlich, dann monatlich

Das Taschengeld sollte bar gezahlt werden, die ersten Jahre wöchentlich, später monatlich. Ein typisches Alter, um mit dem monatlichen Taschengeld anzufangen, sei neun Jahre, sagt Oelmann. Eine feste Altersgrenze ist das nicht, denn für die Eltern heißt es wie bei anderen Erziehungsfragen auch: ausprobieren. "Nicht alle Kinder lernen gleich schnell", sagt Oelmann. Während es mathematisch begabten Kindern früher leicht falle, Ausgaben über einen längeren Zeitraum zu planen, hauen andere Kinder ihr Monatstaschengeld schon in der ersten Woche auf den Kopf. Den Eltern empfiehlt Oelmann in solchen Fällen, das Geld zunächst im Zwei-Wochen-Rhythmus zu übergeben.

Richtig kompliziert wird es, wenn es um die Höhe des Taschengelds geht. Längst ist  Kaufkraft der Kinder für die Wirtschaft wichtig. Mehr als 1,9 Milliarden Euro Taschengeld oder kleine Verdienste standen den Sechs- bis 13-Jährigen in Deutschland im vergangenen Jahr zur Verfügung, ergab die Kids Verbraucheranalyse 2013. 27,56 Euro bekamen die Sechs- bis 13-Jährigen der Studie zufolge 2013 im Monatsdurchschnitt. Acht Jahre zuvor waren es noch rund fünf Euro weniger. Nicht alle Eltern können und wollen sich das leisten. Und über wie viel Geld soll ein Kind verfügen, damit es sich nicht alles leisten kann und lernt, den Wert richtig einzuschätzen?

"Die ideale Höhe für Taschengeld gibt es nicht", sagt Oelmann. Klar ist jedoch: "Das Taschengeld sollte nicht für Grundbedürfnisse wie Nahrung ausgegeben werden müssen, sondern ist für Extras gedacht, für die sich die Kinder selbst entscheiden." Die Kleinen wählen ein Überraschungsei, die Großen gehen vielleicht lieber ins Kino oder sparen auf Smartphones. In vielen Städten stellen die Jugendämter Taschengeld-Tabellen ins Internet, an denen Eltern sich orientieren können. Sie empfehlen außerdem, sich an den Summen zu orientieren, die Mitschüler bekommen.

Das Vorbild der Eltern

Eltern sollten mögliche Sparziele in den Betrag einkalkulieren, rät die Finanzexpertin. "Ein Kind sollte jedoch nicht so viel Geld bekommen, dass es ohne jeden Verzicht sparen kann", empfiehlt Oelmann. Ist das Taschengeld aufgebraucht, sollten Eltern nicht schwach werden und nachschießen: "Jugendliche sollten die Möglichkeit haben, sich mit kleinen Nebenjobs wie Rasenmähen etwas dazu zu verdienen", sagt sie.

Laut Schufa Kredit-Kompass 2013 ist Taschengeld auch für 89 Prozent der 15- bis 17-Jährigen noch die Haupteinnahmequelle. Knapp 90 Euro stehe ihnen im Monatsschnitt zur freien Verfügung. Bei finanziellen Engpässen bauen 36 Prozent der Jugendlichen jedoch laut Schufa-Studie auf Notgroschen von den Eltern.

Taschengeld allein reicht jedoch nicht aus, um Kindern den bewussten Umgang mit Geld beizubringen. Das Vorbild der Eltern spielt eine wesentliche Rolle. "In Familien soll über Geld gesprochen werden", sagt Oelmann. "Wenn die Eltern beispielsweise auf einen Familienurlaub sparen, sollen die Kinder das ruhig mitbekommen."

Auch die Osnabrücker Psychologin Heidi Keller ist der Meinung, dass Kinder am besten im sozialen Kontext lernen. Eine Familienkasse als Alternative zum Taschengeld sei eine Chance, Kinder in finanzielle Entscheidungen einzubeziehen. Das gemeinsame Geld sollte die Wünsche aller Familienmitglieder berücksichtigen. Es könnte beispielsweise auch für einen Ausflug ausgegeben werden, der allen Spaß mache. "Kinder lernen so, nicht nur an sich zu denken, sondern ihre Bedürfnisse mit denen anderer zu balancieren", sagt Keller.

Ob Familienkasse oder das klassische Taschengeld – jeder finanzielle Rahmen wird auf die Probe gestellt, wenn es zu Weihnachten oder Geburtstag großzügige Geldgeschenke regnet. Laut der Kids Verbraucheranalyse dürfen sich vier von fünf Kindern zwischen sechs und 13 Jahren über "Geldgeschenke zwischendurch" freuen. Vor allem die Kleinen können mit großen Summen noch nicht umgehen. Deswegen rät Oelmann Eltern, mit Verwandten über Geldgeschenke zu sprechen: "Eltern können größere Summen ihrer Kinder zunächst auf einem Tagesgeldkonto sammeln", sagt sie. Denn das erste eigene Geld bekommen viele Kinder lange bevor sie das verstehen können: zur Geburt.