Das höchste Gericht in Frankreich erkennt Kinder aus Leihmutterschaften ab sofort unter Bedingungen als französische Staatsbürger an. Voraussetzung sei, dass ein Elternteil die französische Staatsbürgerschaft besitze, entschied der Kassationshof in Paris. Das gilt auch für Kinder, die im Ausland geboren werden. Damit werden die Rechte von Kindern gestärkt, die von ausländischen Leihmüttern ausgetragen wurden. 

Bei Leihmutterschaften wird einer Frau eine befruchtete Eizelle eines fremden Paares eingesetzt. Sie trägt dann deren Kind aus. Weil das in Frankreich verboten ist, greifen Paare mit unerfülltem Kinderwunsch auf Leihmütter im Ausland zurück. Die Babys werden auch außerhalb Frankreichs geboren.

Bislang haben die französischen Behörden die Geburtsurkunden dieser Kinder nicht anerkannt. Sie wurden als Kinder unbekannter Herkunft eingestuft, selbst wenn klar war, wer ihre biologischen Eltern sind.

Bisher galten die Kinder als "Geister der Republik"

Noch bis vor Kurzem verweigerte ihnen der Kassationshof die rechtliche Anerkennung mit dem Argument, sie seien im Ausland durch einen "betrügerischen Vorgang" geboren worden. Ein Anwalt nannte solche Kinder deshalb "Geister der Republik".

Ohne anerkannte Geburtsurkunde haben Menschen in Frankreich keinen Anspruch auf einen Personalausweis oder einen Pass, wodurch sie im Alltag ständig benachteiligt sind. Außerdem dürfen sie nicht erben und ihr Status bei einer Scheidung der biologischen Eltern ist ungeklärt. Diese Probleme werden mit der jetzigen Entscheidung beseitigt. 

Verbesserungen für homosexuelle Paare

Auch homosexuelle Paare hoffen auf bessere Möglichkeiten, Nachwuchs zu bekommen. Das Urteil ging auf die Klage eines schwulen Paares und eines Alleinstehenden zurück. Diese hatten mit ihren Samen Ausländerinnen befruchten lassen, die damit auch biologisch Mutter der so gezeugten Kinder wurden.

Die Richter entschieden, in derartigen Fällen müssten zwei Väter in die Geburtsurkunde eingetragen werden, wenn sie ihr im Ausland von einer Leihmutter geborenes Kind dort anerkannt haben. Dann erkenne sie Frankreich auch als französische Staatsbürger an. Als biologische Mutter werde die Leihmutter vermerkt.

Der Entscheidung war ein Urteil des Europäischen Menschenrechtsgerichtshofs vorausgegangen. Dieser hatte im vergangenen Jahr befunden, die bisherige Rechtspraxis in Frankreich sei ein Angriff auf die Identität der betroffenen Kinder. Der Kassationshof räumte jetzt ein, seine früheren Entscheidungen in dieser Frage hätten gegen die Europäische Menschenrechtskonvention verstoßen.

Leihmutterschaften und kommerzielle Samenbanken bleiben in Frankreich aber verboten.