Gehen katholische Bischöfe nachlässig mit Missbrauchsfällen um, können sie künftig aus dem Amt entlassen werden. Etwa, wenn sie versuchen, den Missbrauch von Minderjährigen oder schutzbedürftiger Erwachsenen zu vertuschen, oder wenn sie ihn einfach ignorieren. Einen entsprechenden Erlass hat Papst Franziskus in Form eines Motu Proprio veröffentlicht. Er trägt den Titel Come una madre amorevole (Wie eine liebende Mutter) und tritt am 5. September in Kraft.

Damit entsprach der Papst dem Wunsch vieler Missbrauchsopfer und ihrer Anwälte, die forderten, dass Bischöfe zur Rechenschaft gezogen werden sollen, wenn der Vatikan feststellt, dass sie in Ausübung ihres Berufs nachlässig gewesen waren.

Eine Entlassung war zwar bisher in sehr schweren Verfehlungen im Kirchenrecht auch schon möglich, aber Missbrauchsfälle werden mit dem Erlass nun als schwerwiegender eingestuft als andere bischöfliche Amtspflichtverletzungen. Franziskus erklärte, er wollte präziser sein bei der Definition der "schweren Gründe", die die Bischöfen den Job kosten könnten.

Null Toleranz

Der Papst hatte schon in der Vergangenheit wiederholt zu null Toleranz gegenüber Kindesmissbrauch aufgerufen. In seinem Lehrschreiben "Amoris Laetitia" (Freude der Liebe) zum Familienbild der katholischen Kirche bezeichnete er Anfang April Kindesmissbrauch als "eine der skandalösesten und perversesten Wirklichkeiten" der heutigen Gesellschaft. "Der sexuelle Missbrauch von Kindern wird noch skandalöser, wenn er an den Orten geschieht, wo sie geschützt werden müssen, besonders in den Familien, in den Schulen und in den christlichen Gemeinschaften und Institutionen", schrieb er.

Von der katholischen Kirche gingen weltweit viele Kindesmissbrauchsfälle aus, die oft Jahrzehnte zurückreichen. Schon im März 2014 richtete Franziskus deshalb eine Kommission für den Schutz von Minderjährigen ein. Im Vatikan wurde außerdem ein Tribunal geschaffen, vor dem sich auch Bischöfe verantworten sollen, die Fälle von Missbrauch verschleiert haben. Franziskus wurde zwar für seine Engagement gefeiert, aber vor allem viele Opfer warfen der Kirche vor, dass sie nicht entschieden genug gegen die Missstände vorgehe.