Eltern wie Kinderlose tun sich in Deutschland schwer damit, Kinder- und Karrierewünsche miteinander zu vereinbaren. Besonders auffällig ist das bei Müttern, wenn sie gefragt werden, ob sie auch künftigen Generationen empfehlen würden, Kinder zu bekommen. Die ZEIT sowie das Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) und das Institut infas haben 3.100 Mütter und Väter, kinderlose Männer und Frauen befragt. Die Ergebnisse liegen in der sogenannten Vermächtnisstudie vor, deren erster Teil in der aktuellen Ausgabe der ZEIT veröffentlicht wurde.

Die Studie zeigt, dass Menschen ihre Lebensgewohnheiten und -entscheidungen in der Regel auch künftigen Generationen empfehlen, ihr Vermächtnis also weitergeben möchten. Eine auffällige Abweichung stellten die Wissenschaftler jedoch bei Müttern und der Frage nach ihren Kindern fest. Zwar stimmten 95 Prozent der Mütter und 93 Prozent der Väter mit höchstem Nachdruck der Aussage zu: "Die Kinder sind mir wichtig." Bei der Frage, was sie den kommenden Generationen mitgeben wollen, ging die Zustimmung zu der Aussage, dass Kinder im Leben wichtig seien, allerdings zurück: Bei Frauen um 13, bei Vätern um fünf Prozent.

Die Zahlen lassen die Schlussfolgerung zu, dass Eltern die Entscheidung für Kinder bedauern könnten. Deshalb gingen die Wissenschaftler in einem weiteren Schritt der Frage nach, welche Eltern tatsächlich ihr Bedauern äußerten. Geprüft wurden dafür etwa Alter, Herkunft, Bildung und Einkommen. Das Ergebnis zeigt: "Ein hoher Bildungsabschluss und Kinder scheinen bei vielen eine Kombination, die zur Reue in der Kinderfrage drängt", schreibt die Präsidentin des WZB, Jutta Allmendinger. "Es scheint einfach nicht recht zu passen. Das gilt vor allem für Mütter."

Die Studienleiterin kommt aber zu dem Schluss, dass auch kinderlose Männer und Frauen bereuen: nämlich, keine Kinder bekommen zu haben. "Es herrscht ein starker Kinderwunsch bei jenen, die die Erfahrungen, Anstrengungen und Widersprüche einer Elternschaft noch nicht kennengelernt haben – insbesondere bei Männern."

Allmendinger bilanziert, die Gesellschaft müsse endlich verstehen, dass vor allem gut gebildete Frauen erwerbstätig sein wollten. Die befragten Frauen hätten sich für eine faire Teilung der Haus- und Familienarbeit ausgesprochen – dabei zögen die Väter aber noch zu wenig mit. Männer müssten sich aufmachen, "hin zu weniger Arbeitszeit und mehr Familienarbeit", so die Soziologin.