Seit Januar 2007 zahlt der Bund Elterngeld an Mütter und Väter, die sich nach der Geburt eines Kindes zu Hause um den Nachwuchs kümmern. Wir haben mit acht Elternpaaren über ihre Erfahrungen gesprochen: Die einen sind um die Welt gereist, andere umgezogen. Manche konnten ihren Job nicht loslassen, andere haben einen beruflichen Neuanfang gewagt oder die Rollen in ihrer Partnerschaft neu bestimmt. Und mehrere haben Geld verloren. Wie das kam, lesen Sie hier.

Wie eine Bittstellerin behandelt

Kathrin und Ludwig kochen mit ihren Kindern Julius und Johanna. © Privat

Kathrin (36), Ludwig (33), Julius (5) und Johanna (2) aus Berlin

Kathrin: Am selben Tag, als ich meine Diplomarbeit in Medienwirtschaft angemeldet habe, zeigte der Schwangerschaftstest zwei blaue Streifen. Unser Sohn Julius ist drei Monate nach der Abgabe in Siegen geboren, ich war ein Jahr mit ihm zu Hause. Da ich vorher kein eigenes Einkommen hatte, habe ich nur den Mindestsatz Elterngeld bekommen. Für Eltern, die im Studium oder direkt danach Kinder kriegen, ist das Elterngeld jedenfalls kein Auffangnetz. Und auf dem Amt wurde ich wie eine Bittstellerin behandelt, die Beamten hatten einen unverschämten Ton drauf. Immerhin wurden mir die 300 Euro nicht vom Arbeitslosengeld abgezogen, weil ich in den zwölf Monaten vor der Geburt einen Minijob als wissenschaftliche Hilfskraft an der Uni hatte.

Nach Julius' erstem Geburtstag habe ich dann eine volle Stelle angefangen. Ludwig promovierte damals, musste nur zehn Stunden in die Uni und konnte zu Hause viel übernehmen. Als 2014 Johanna zur Welt kam, haben wir eine ganz andere Erfahrung gemacht. Ich kam aus einer vollen Stelle und hatte einen guten Elterngeldanspruch. Auch für die Behörden war ich plötzlich nicht mehr die Bittstellerin, das macht emotional einen großen Unterschied. Nach Johannas Geburt sind wir in meiner Elternzeit zurück nach Berlin gezogen, wo wir beide herkommen und unsere Eltern wohnen. Auch Ludwig hat zwei Monate Elterngeld bekommen, zusammen hat uns das sehr dabei geholfen, in der neuen Stadt Fuß zu fassen. Inzwischen haben Ludwig und ich beide eine 40-Stunden-Woche und sind froh über die Hilfe der Großeltern, ohne ihre Unterstützung wäre das unmöglich.