Die von der Bundesregierung geplanten Investitionen von 3,5 Milliarden Euro, um die Qualität der Kitas zu verbessern, sind laut einer Berechnung der Bertelsmann Stiftung deutlich zu gering bemessen. Stattdessen müssten über 15 Milliarden ausgegeben werden, um die Qualität wie angekündigt erhöhen und gleichzeitig die Gebühren für die Betreuung abschaffen zu können, heißt es in der Studie.

Die Berechnung zeigt zudem, dass Eltern mit sehr wenig Geld für die Betreuung ihrer Kinder im Schnitt deutlich mehr von ihrem Einkommen ausgeben als gut verdienende – trotz der Staffelung von Kitagebühren nach Einkommen. Haushalte, die über weniger als 60 Prozent eines durchschnittlichen Einkommens verfügen, zahlen demnach monatlich durchschnittlich 118 Euro und damit 10 Prozent ihres Einkommens für den Kitabesuch ihrer Kinder. Bei einkommensstärkeren Eltern liege der Anteil dagegen bei rund 5 Prozent oder 178 Euro.

Der Berechnung zufolge sind ärmere Haushalte auch durch Zusatzkosten – etwa für Ausflüge, Verpflegung oder Bastelmaterialen – mehr als doppelt so stark belastet wie wohlhabendere Eltern: Sie zahlen in diesem Bereich durchschnittlich 3,3 Prozent ihres Haushaltsnettoeinkommens, während wohlhabendere Familien 1,4 Prozent dafür aufwenden müssen. Zusatzgebühren werden unabhängig vom finanziellen Einkommen der Familie veranschlagt, monatlich mit rund 45 Euro. 

Für die von Familienministerin Franziska Giffey (SPD) in Aussicht gestellte Beitragsfreiheit müsste der Staat den Berechnungen zufolge jährlich rund 5,7 Milliarden Euro aufbringen, für die Zusatzgebühren weitere 1,6 Milliarden Euro. Insgesamt müsste der Bund jährlich 15,3 Milliarden Euro investieren, um sowohl die Qualität zu erhöhen als auch die Beiträge abschaffen zu können. "Bei der Kitafinanzierung klaffen Anspruch und Wirklichkeit weit auseinander", kritisiert Jörg Dräger vom Vorstand der Bertelsmann Stiftung. Dem politischen Versprechen der Beitragsfreiheit fehle die finanzielle Substanz. "Aktuell ist zu befürchten, dass die Qualität auf der Strecke bleibt."

Für Eltern ist Qualität wichtiger als Beitragsfreiheit

Trotz der Belastung durch Kitabeiträge und Zusatzgebühren wäre die Mehrheit der Eltern der Studie zufolge bereit, für eine bessere Qualität höhere Beiträge zu bezahlen: 59 Prozent der Eltern oberhalb, aber auch 53 Prozent der Eltern unterhalb der Armutsrisikogrenze würden für mehr Personal und bessere Ausstattung auch höhere Beiträge akzeptieren.

Derzeit haben 17 Prozent der Kitaeltern ein Haushaltseinkommen unterhalb der Armutsrisikogrenze. Zwei Drittel von ihnen zahlen Kitabeiträge, obwohl diese sozial gestaffelt sind. "Wir brauchen eine Befreiung einkommensschwacher Familien von Kitakosten", fordert Dräger. Laut Schätzungen auf Basis der Studie würde dies jährlich rund 730 Millionen Euro kosten.

Wohnort bestimmt über finanzielle Belastung

Zusätzlich zur repräsentativ angelegten Umfrage hat die Bertelsmann Stiftung 6.000 Eltern aus Deutschland über einen Onlinefragebogen zu ihrer Sicht befragt. Die Ergebnisse zeigen große regionale Unterschiede bei der finanziellen Belastung. In Berlin zum Beispiel machen die Gesamtkosten für die Betreuung dank Kitagutschein nur rund zwei Prozent eines durchschnittlichen Haushaltseinkommens aus. Gleichzeitig ist die Qualität der Krippengruppen, gemessen am Personalschlüssel, hier aber auch deutlich schlechter als im Bundesdurchschnitt. In Baden-Württemberg sind die Personalschlüssel dagegen bundesweit die besten, dort beteiligen sich Eltern mit rund sieben Prozent eines durchschnittlichen Haushaltseinkommens an der Kitafinanzierung.

Jörg Dräger rät daher, nur armutsgefährdete Eltern von Kitabeiträgen und Zusatzgebühren zu befreien. Die anvisierte Beitragsfreiheit für alle Eltern hält er für überstürzt: "Bundesweit fehlen Erzieherinnen und die Betreuungsschlüssel stimmen in vielen Kitas nicht. Jetzt alle Eltern zu entlasten, würde den politischen Handlungsspielraum für den Qualitätsausbau unnötig verengen."