In Deutschland sind im vergangenen Jahr Zehntausende Kinder Opfer von Gewalt und Missbrauch geworden. "An den Zahlen zu Misshandlungen hat sich seit Jahren wenig bis gar nichts geändert", heißt es in einem Bericht der Deutschen Kinderhilfe, die Zahlen stagnierten "auf einem hohen Niveau". Der Verein stützte sich auf Zahlen der polizeilichen Kriminalstatistik für 2017. Danach hat die Gewalt gegen Kinder 2017 sogar leicht zugenommen. Die Statistik zeige, "dass der Kinderschutz in Deutschland immer noch Schwachstellen hat". Insbesondere kritisierte die Kinderhilfe den "Mangel an einer finanziell breit aufgestellten und personell qualifizierten Kinder- und Jugendhilfe, Polizei, Justiz und Medizin".

Die größte registrierte Opfergruppe bilden sexuell missbrauchte Kinder. Die Polizei erfasste 13.539 Vergewaltigungen und andere Formen sexueller Gewalt gegen Minderjährige. Insgesamt sind die registrierten Fälle sexueller Gewalt im Vergleich zum Vorjahr um 3,6 Prozent zurückgegangen. Holger Münch, Präsident des Bundeskriminalamtes, sagte angesichts des Rückgangs: "Das sind nur die Fälle, die der Polizei bekannt werden. Wir müssen davon ausgehen, dass viele Taten unentdeckt bleiben."

Zudem zählte die Polizei 16.317 Fälle des Besitzes und der Verbreitung von kinderpornografischem Material. Die Fallzahl nahm im Vergleich zum Vorjahr um 15,1 Prozent zu, ebenso die Intensität des gefundenen Materials. Es gebe härtere Gewaltszenen und eine zunehmende Zahl von Missbrauchsabbildungen von Kleinkindern und Babys, heißt es in dem Bericht. Das sei erschreckend, sagte der unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, Johannes-Wilhelm Rörig. "Wir müssen davon ausgehen, dass sich der Missbrauch Tausender Kinder unerkannt fortsetzt." Kinder- und Jugendschutz finde im Internet nicht statt. "Der Jugendmedienschutz muss jetzt dringend modernisiert und die IT-Wirtschaft auch gesetzlich verpflichtet werden, den Kinder- und Jugendschutz im Netz zu verwirklichen", sagte Rörig. Zudem forderte er mehr geschultes Personal bei Justiz und Strafverfolgung. Auch die Ermittlungsmöglichkeiten müssten rechtlich und technisch verbessert und dem Internetzeitalter angepasst werden.

Außerdem registrierte die Polizei im vergangenen Jahr 4.247 Kinder, die schwer misshandelt wurden (2016: 4.237), etwa die Hälfte davon waren jünger als sechs Jahre. 143 Kinder wurden getötet (2016: 133), davon waren fast 78 Prozent jünger als sechs Jahre alt.

Am häufigsten sind Kinder laut Kinderhilfe im sogenannten sozialen Nahbereich der Gewalt ausgesetzt, also innerhalb der eigenen Familie. Risikofaktoren seien überforderte Eltern, Alkohol- und Drogenkonsum, Trennungskonflikte zwischen den Eltern, psychische Störungen eines Elternteils und Verdeckungsmotive.