Kinder aus Familien, in denen die Mutter nicht erwerbstätig ist, sind besonders häufig von Armut bedroht. Das ist das Ergebnis einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) im Auftrag der Bertelsmann Stiftung, wie diese mitteilte. Das klassische Ein-Verdiener-Modell in Familien reicht demnach in vielen Fällen nicht aus, um Kindern ein abgesichertes Aufwachsen zu ermöglichen.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untersuchten, wie sich die Erwerbstätigkeit von Frauen auf die Kinderarmut auswirkt. Sie fanden heraus, dass jedes dritte Kind in Paarfamilien dauerhafte oder wiederkehrende Armutslagen erfährt, wenn seine Mutter über einen längeren Zeitraum nicht erwerbstätig ist. Bei weiteren 30 Prozent komme es zu kurzzeitigen Armutserfahrungen. Wenn die Mutter hingegen dauerhaft in Vollzeit, Teilzeit oder Minijobs arbeitet, kommt es den Angaben zufolge nur selten zu Kinderarmut.

Fast alle Kinder von alleinerziehenden Müttern ohne Job arm

In Ein-Eltern-Familien beeinflusst die Erwerbstätigkeit der Mutter laut der Studie noch stärker das Armutsrisiko der Kinder. Nur wenn eine alleinerziehende Mutter über einen längeren Zeitraum in Vollzeit erwerbstätig ist, könne in den meisten Fällen verhindert werden, dass ihre Kinder in einer dauerhaften Armutslage aufwachsen. Ist eine alleinerziehende Mutter nicht erwerbstätig, wachse das Kind mit einer Wahrscheinlichkeit von 96 Prozent in dauerhafter oder wiederkehrender Armut auf.

Die Studie definiert Armut so, dass eine Familie mit weniger als 60 Prozent des mittleren äquivalenzgewichteten Haushaltsnettoeinkommens auskommen muss oder staatliche Grundsicherungsleistungen wie Hartz IV bezieht.

Diese Kinder leben laut der Untersuchung zwar meist nicht obdachlos auf der Straße. Es ist für sie aber besonders schwierig, am sozialen und kulturellen Leben teilzuhaben. So sind drei von vier Kindern und Jugendlichen aus sicheren finanziellen Verhältnissen in Vereinen aktiv. Von ihren Altersgenossen, die dauerhaft in Armut leben, sind dies weniger als 40 Prozent. Letztere gaben außerdem auch seltener an, viele enge Freunde zu haben. Sie beklagten doppelt so häufig wie abgesicherte Jugendliche, in ihrer Freizeit nicht an ihrer Wunschaktivität teilnehmen zu können und sich weniger zugehörig zu fühlen.

"Kinder müssen unabhängig von ihren Familien so unterstützt werden, dass sie nicht vom gesellschaftlichen Leben abgekoppelt sind", fordert Jörg Dräger, Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung. Wenn Vereinsmitgliedschaft und andere Freizeitaktivitäten weiterhin stark vom Einkommen der Eltern abhingen, reiche das Bildungs- und Teilhabepaket offensichtlich nicht aus. Die Bertelsmann Stiftung fordert ein neues Teilhabegeld für Kinder und eine hochwertige Bildungs- und Betreuungsinfrastruktur, die durch unbürokratische Hilfe vor Ort ergänzt werden soll.