Mitten durch die Bundeskunsthalle schlängelt sich eine rote Röhrenskulptur aus Plastik, aus der man Kinderlachen hört. Es ist der Lozziwurm des Designers Yvan Pestalozzi. Vom Dach des Bonner Museums schlittern Besucher über eine Skulptur von Carsten Höller in die Tiefe. Ist das Kunst oder Spielzeug? Beides, sagt die Kuratorin Gabriela Burkhalter. Bis zum 18. Oktober zeigt die Ausstellung "The Playground Project" die Kulturgeschichte des Spielplatzes. Sie soll eine Diskussion über den Platz der Kinder in der Gesellschaft anregen.

ZEIT ONLINE: Warum sind deutsche Spielplätze so einfallslos? Ich war gerade in Schweden, da gab es einen Spielplatz mit riesiger Holzskulptur und Parcours außenrum ...

Gabriela Burkhalter: Die Skandinavier sind da sehr innovativ. Die haben schon in den Dreißigerjahren die Idee formuliert, dass Kinder am besten mit natürlichen Materialien spielen und so selbstständig und frei ihr Spiel gestalten. 

Gabriela Burkhalter, Kuratorin der Ausstellung "The Playground Project"

ZEIT ONLINE: Wer hat eigentlich den Spielplatz erfunden?

Burkhalter: Keine konkrete Person. Die ersten Spielplätze entstanden schon ab Mitte des 19. Jahrhunderts in den USA, in Boston. Man versuchte damals, die Situation der Arbeiterkinder zu verbessern. Da ging es allerdings eher darum, dass die Kinder sich körperlich ertüchtigen und sich in die Gesellschaft eingliedern sollten. 

ZEIT ONLINE: Vermutlich nicht mit der Standardausrüstung Wippe, Schaukel und Rutsche, oder?

Burkhalter: Nein, da gab es vor allem Turngerüste mit kühnen Konstruktionen. Im Grunde waren das keine Spielplätze, denn es ging hier nicht um das Spiel im Sinne eines kreativen, freudigen Entdeckens, sondern um Beschäftigung und körperliche Ertüchtigung. Erzieher gaben den Kinder dort oftmals auch Milch zum Trinken, um ihnen Kalorien zuzuführen.