Mehr als die Hälfte (55 Prozent) der nichterwerbstätigen alleinerziehenden Mütter ist an der Aufnahme einer Arbeit interessiert. Dies geht aus Zahlen hervor, die das Statistische Bundesamt veröffentlicht hat. Bei den nichtarbeitenden Müttern, die in einer Partnerschaft leben, sind es dagegen nur 29 Prozent.

Die Alleinerziehenden machen vor allem familiäre und persönliche Gründe dafür verantwortlich, dass sie keiner Erwerbstätigkeit nachgehen können. Insgesamt war im vergangenen Jahr etwa ein Drittel der alleinerziehenden Frauen mit mindestens einem minderjährigen Kind ohne Arbeit.

Der Wunsch nach Erwerbstätigkeit könnte eine direkte Folge der finanziellen Situation sein: "Alleinerziehende und ihre Kinder sind überdurchschnittlich häufig armutsgefährdet", sagt der Präsident des Statistischen Bundesamtes, Georg Thiel. Für sie seien deshalb familienpolitische Maßnahmen eine besonders wichtige Unterstützung. Während die Armutsgefährdungsquote im Bevölkerungsdurchschnitt bei 16 Prozent liegt, lag sie 2016 für Alleinerziehende bei 33 Prozent. Knapp zwei Drittel der Alleinerziehenden haben nicht die Mittel, um unerwartete Ausgaben von knapp 1.000 Euro zu bestreiten. Im Bevölkerungsdurchschnitt gilt das nur für ein Drittel der Haushalte.

Die Zahl der Haushalte von Alleinerziehenden ist in den vergangenen zwei Jahrzehnten um 200.000 auf 1,5 Millionen gestiegen. Insgesamt gab es in Deutschland vergangenes Jahr 8,2 Millionen Familien, in denen mindestens ein minderjähriges Kind lebte. 70 Prozent der Familien bestehen aus Ehepaaren mit Kindern.

Eine Kindergrundsicherung würde Alleinerziehende aus Sicht der Diakonie Deutschland helfen. Zudem müssten alleinerziehende Mütter und Väter entlastet werden, indem die Kinderbetreuung an den Tagesrandzeiten verbessert werde, sagte Maria Loheide, Diakonie-Vorstand Sozialpolitik. Loheide forderte vor diesem Hintergrund, das Bildungs- und Teilhabepaket grundlegend zu reformieren. "Der Aufwand ist dermaßen hoch, dass das viele nicht in Anspruch nehmen", sagte Loheide. "Das geht an den Bedürfnissen der Betroffenen vorbei."