Papst Franziskus hat mit Äußerungen über den Umgang mit homosexuellen Kindern Kritik ausgelöst. Auf dem Rückweg von einem Besuch in Irland nach Rom ermutigte er einerseits zwar katholische Eltern, zu ihren homosexuellen Kindern zu stehen. Söhne oder Töchter mit homosexuellen Neigungen zu ignorieren, bedeute ein Versagen in der Vater- oder Mutterrolle. Wenn Eltern damit nicht zurechtkämen, sollten sie "um Hilfe bitten", sagte der Papst am Sonntagabend. Die Eltern müssten ihren Kindern vermitteln: "Du bist mein Sohn, du bist meine Tochter, so wie du bist."

Zugleich sagte der Papst aber auch, bei einem jüngeren Kind ließe sich "noch vieles machen, mit der Psychiatrie etwa, um zu sehen, wie die Dinge sich verhalten". Eine andere Sache sei es bei Zwanzigjährigen.

Der deutsche Lesben- und Schwulenverband (LSVD) kritisierte die Aufforderung für eine psychiatrische Behandlung homosexueller Kinder. Die Aussage sei "zutiefst besorgniserregend und falsch", sagte Henny Engels vom LSVD-Bundesvorstand. "Äußerungen wie diese schüren Homosexuellenfeindlichkeit und geben menschenverachtenden Konversionstherapien Rückenwind. Homosexualität ist keine Krankheit und bedarf folglich auch keiner Therapie."

Der Ansatz der sogenannten Konversions- oder auch Reparativtherapien wird insbesondere von Vertretern christlich-evangelikaler Kirchen befürwortet, die die Auffassung vertreten, Homosexualität sei eine psychische Erkrankung, die gleichsam heilbar sei. An diesen vermeintlichen Behandlungsmethoden gibt es breite Kritik. So verurteilte beispielsweise im März eine Mehrheit des EU-Parlaments diese Therapien.

Diese "homosexuellenfeindliche Botschaft" des Papstes sei eine "herbe Enttäuschung", sagte LSVD-Vorstandsmitglied Engels. 2013 habe Franziskus noch dafür geworben, Lesben und Schwule nicht zu diskriminieren. Homosexuelle hätten wegen seines Satzes "wer bin ich, ihn zu verurteilen" gehofft, auch in der katholischen Kirche Akzeptanz zu finden. "Diese Hoffnungen scheinen nun zunichte gemacht", sagte Engels.