Die große Koalition will die Ausbildung von Hebammen und Entbindungspflegern reformieren. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat vorgeschlagen, Hebammen dafür künftig in einem dualen Studiengang ausbilden zu lassen. "Künftig sollen sie in einem dualen Studium auf ihre anspruchsvolle Aufgabe vorbereitet werden", sagte er den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

Da die Anforderungen an die Geburtshilfe ständig stiegen, bräuchten Hebammen die bestmögliche Ausbildung – theoretisch und praktisch. Duales Studium heißt, dass eine theoretische Ausbildung an Hochschulen abgewechselt wird mit praktischer Arbeit.

Bisher dauert die Ausbildung von Hebammen drei Jahre. Sie umfasst theoretischen und praktischen Unterricht in staatlich anerkannten Hebammenschulen und an Krankenhäusern. Der Deutsche Hebammenverband begrüßte den Vorschlag Spahns. Deutschland sei mittlerweile das letzte EU-Land, in dem Hebammen noch nicht an Hochschulen ausgebildet werden. Eine bestmögliche Ausbildung durch ein Studium sei notwendig und gewährleiste auch künftig eine hohe Qualität in der Geburtshilfe. 

Der SPD-Fraktionsvize Karl Lauterbach sprach sich gegen ein verpflichtendes Studium aus: "Das Studium für Hebammen kann nur Angebot und nicht Pflicht sein." Viel wichtiger seien eine bessere Bezahlung von Hebammen und Kliniken für Geburten.

Union und SPD haben im Koalitionsvertrag vereinbart, die Ausbildung von Hebammen nach EU-Vorgaben als akademischen Beruf umzusetzen. Hintergrund ist eine EU-Verordnung, nach der der Beruf bis 2020 akademisiert werden soll. Vorgegeben von der EU sind zwölf Jahre Schulbildung und mehr Vermittlung von wissenschaftlichen Inhalten aus den Bereichen Frauenheilkunde, Geburtshilfe, Allgemeinmedizin und Pharmakologie. In einigen Städten gibt es bereits solche Studiengänge.