Die Polizei hat 2017 wesentlich mehr Fälle von häuslicher Gewalt registriert als im Jahr zuvor. Das berichtet der Spiegel unter Berufung auf die Kriminalstatistische Auswertung des Bundeskriminalamts zur Gewalt in Partnerschaften. Demnach wurden im vergangenen Jahr 138.893 Menschen in Deutschland von ihrem Partner oder Ex-Partner misshandelt, gestalkt, bedroht oder gar getötet. Darunter waren 113.965 Frauen, was 82 Prozent entspricht.

Die Zahlen sind dem Bericht zufolge deutlich höher als noch im Jahr 2016, als 133.080 Personen als Opfer von partnerschaftlicher Gewalt registriert wurden. Das liegt laut Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) insbesondere daran, dass neue Kategorien in die Statistik aufgenommen wurden: "Zum Beispiel Freiheitsberaubung, Zwangsprostitution und Zuhälterei." Rechne man die heraus, sei der Anteil nahezu stabil.

Die Zahlen wird Giffey den Angaben zufolge am Dienstag offiziell vorstellen. Vorab sagte die Ministerin dem Magazin: "Das Problem geht durch alle gesellschaftlichen Schichten und alle ethnischen Hintergründe." So habe der Anteil deutscher Staatsangehöriger unter den Tatverdächtigen bei knapp 68 Prozent gelegen. Die Einzelberichterstattung zeichne da häufig ein anderes Bild, sagte Giffey: "Wenn man die Zeitung liest, hat man manchmal das Gefühl, nur Flüchtlinge und Migranten verprügeln und töten ihre Frauen, weil diese Fälle immer ganz groß dargestellt werden."

Giffey verwies in dem Bericht auch auf die hohe Zahl von Todesfällen: 147 Frauen seien 2017 von ihrem Partner oder Ex-Partner getötet worden, im Schnitt starb jeden zweiten bis dritten Tag eine Frau durch die Hand ihres Partners oder Ex-Partners. "Das ist in einem modernen Land wie Deutschland eine unvorstellbare Größenordnung", sagte die Familienministerin.