Nach der Diagnose hatten wir allerdings sowieso keinen Zweifel mehr: Trisomie 18. Die Überlebenswahrscheinlichkeit dieser Kinder ist sehr gering. Wenige werden älter als drei Jahre, hieß es. Auch der Arzt hat uns deutlich geraten, die Schwangerschaft nicht fortzusetzen. Die Entscheidung war furchtbar, aber klar.

Meine Frau hat sehr gelitten in den drei Wochen bis zum Abbruch. Es fühlte sich in ihrem Bauch ja alles normal an: Das Kind hat sich bewegt, sie hatte keine Schmerzen oder Blutungen. Aber sie hat in der Zeit auch ihren Frieden damit gemacht, dass es nicht leben wird. Für mich war es wohl noch zu abstrakt.

Die Geburt und die Ausschabung danach waren für meine Frau natürlich körperlich schmerzhaft, emotional aber nicht mehr so schockierend wie für mich. Die Geburt wurde eingeleitet. Unser Kind war etwa 15 Zentimeter groß, also winzig und sehr mager, aber es sah aus wie ein Kind. Es hat mich zerrissen, ich bin komplett zusammengebrochen. Glücklicherweise war ich während der Schwangerschaft einigermaßen stabil und konnte für meine Frau da sein, und sie für mich danach. Wir sind viel spazieren gegangen und haben geredet.

Die Entscheidung kann Beziehungen zerstören

Der Abbruch fand in der Universitätsklinik in Ulm statt, die viel Erfahrung mit Spätabtreibungen hat. Die Kinder werden dort zentral bestattet und ein kleines Mahnmal erinnert an sie. Das war ein sehr guter Ort für uns. Wir sind damals oft dort hingefahren.

Ich bin sehr dankbar, dass meine Frau und ich ähnliche Überzeugungen und Gefühle haben. Wenn einer ein behindertes Kind behalten will und die andere nicht – das kann Beziehungen zerstören. Es gibt ja schließlich keinen Kompromiss. Wir waren und sind uns auch heute einig: Wir würden trotz des großen Schmerzes wieder so entscheiden.

Wenn es damals eine sichere Blutuntersuchung gegeben hätte, hätten wir sie sicherlich in Anspruch genommen – egal ob sie von der Krankenkasse bezahlt worden wäre oder nicht. Aber wir können uns das auch leisten. Ich denke, jeder sollte sich genau informieren, am besten aus seriösen Quellen, nicht in Internetforen, in denen Menschen als Mörder und Nazis beschimpft werden, die ein behindertes Kind abtreiben.

Umgekehrt sollte jeder auch selbst entscheiden, ob er überhaupt von einer möglichen Behinderung wissen will. Aber wer es wissen will, sollte auch einen möglichst humanen Weg dafür zur Verfügung gestellt bekommen. Es gibt so viele verschiedene Lebensentwürfe – ich glaube nicht, dass nur, weil es einen neuen Test gibt, alle so entscheiden würden wie wir."

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