In Deutschland ist die Adoption von Stiefkindern die häufigste Form der Adoption. Von dieser sind unverheiratete Paare bislang ausgeschlossen. Zu Unrecht, wie das Bundesverfassungsgericht entschieden hat (1 BvR 673/17). Laut dem Urteil muss die Adoption der Kinder des Partners auch in einer stabilen nichtehelichen Beziehung möglich sein. Für eine Neuregelung hat der Gesetzgeber Zeit bis Ende März 2020.

Zur Begründung verwiesen die Karlsruher Richter auf das Gleichbehandlungsgebot des Grundgesetzes und das Kindeswohl. Das Gericht gab der Beschwerde einer Mutter und ihrer beiden Kinder statt. Der leibliche Vater der Kinder war 2006 gestorben. 2007 ging die Mutter eine neue Beziehung ein, ohne allerdings erneut zu heiraten. Trotzdem wollten sie und ihr neuer Partner erreichen, dass die Kinder "die Stellung gemeinschaftlicher Kinder" bekommen. Als Stiefvater würde der Lebensgefährte der Frau die gleichen Rechte und Pflichten wie das leibliche Elternteil erhalten – dazu zählen auch Unterhaltspflichten und das gesetzliche Erbrecht.

Die Klage scheiterte durch alle Instanzen. Nach bisherigem Recht dürfen nur Ehepaare oder Paare, die in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft leben, Stiefkinder adoptieren. Sie muss seit mindestens einem Jahr bestehen. So soll sichergestellt werden, dass adoptierende Eltern in einer stabilen Beziehung leben. Das Bundesverfassungsgericht begründete, dass sich die nichteheliche Familie "mehr und mehr als weitere Familienform neben der ehelichen Familie etabliert" habe. Es gebe keine Erkenntnisse für die Annahme, dass nichteheliche Paarbeziehungen "typischerweise besonders fragil" wären.