Vorlesen ist ein großes Glück. Kinder und Eltern kommen einander nahe, wenn sie gemeinsam in eine Geschichte eintauchen. Das Glück wird sogar noch größer, wenn das Buch keinen der Beteiligten unterschätzt.

Eine solche Geschichte ist Schlimmes Ende von Philip Ardagh, empfohlen ab neun Jahren: Eddies Eltern haben eine ansteckende Krankheit, deshalb muss Eddie zu Onkel Jack und der wahnsinnigen Tante Maud, die ständig mit einem toten Wiesel rumfuchtelt. Keiner der Erwachsenen in diesem Kinderbuch ist auch nur ansatzweise liebevoll und mitfühlend.

Ich dachte während des Vorlesens: Hoffentlich traumatisiere ich meine Tochter nicht damit. Aber sie war begeistert und las uns schließlich selbst mit dramatischer Intonation daraus vor. Ich habe damals begriffen, dass mein Kind fiesen Humor und drastische Worte sehr schätzt (sie tut es noch immer). Mich selbst hat die Traurigkeit hinter den absurden Abenteuern viel mehr geschüttelt als sie.

Jetzt ist meine Tochter ziemlich groß. Aber sie hat sich neulich wieder an Schlimmes Ende erinnert und dass es noch immer nachwirkt. Kranke Eltern, gewalttätige Menschen und tote Kinder in Schlimmes Ende konnte sie lässig aushalten, sagt sie und: Sie fühlte sich einfach ernst genommen. Bücher, die den Kindern zutrauen, das Leben auszuhalten und die sie auch mit einer anspruchsvollen Sprache herausfordern, sind auch für Eltern interessanter.

Wir würden gern von Ihnen wissen: Welches aktuelle Buch begeistert Ihre Kinder und Sie selbst gerade? Und warum? Erzählen Sie es uns hier in den Kommentaren!