Krankenversicherungen können verpflichtet sein, auch älteren Frauen die Kosten einer künstlichen Befruchtung zu erstatten. Das hat der Bundesgerichtshof (BGH) klargestellt. Ein statistisch gesehen höheres Risiko, eine Fehlgeburt zu erleiden, ist demnach allein noch kein Grund, die Übernahme der Kosten abzulehnen (Az. IV ZR 323/18).

Geklagt hatte ein Paar aus Bremen. Es ging um die Behandlung einer 44-jährigen Frau, deren Mann auf natürlichem Wege keine Kinder zeugen konnte. Seine private Krankenversicherung wollte die Kosten von rund 17.500 Euro nicht übernehmen und begründete dies mit dem Alter der Frau. Fehlgeburten kämen in dieser Altersgruppe häufiger vor.

Die Karlsruher Richterinnen und Richter stuften die vier Anläufe einer künstlichen Befruchtung wegen der Probleme des Mannes als medizinisch notwendige Heilbehandlung ein. Entscheidend dafür sei einzig und allein, dass die Behandlung mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit zu einer Schwangerschaft führen könne. Wie diese weiter verlaufe, habe keine Rolle zu spielen.

Die Kosten von vier Behandlungen beliefen sich auf rund 17.500 Euro. Die Wahrscheinlichkeit für eine Schwangerschaft lag bei jeweils rund 15 Prozent. Das Selbstbestimmungsrecht des Paares umfasse "grundsätzlich auch die Entscheidung, sich den Kinderwunsch in fortgeschrittenem Alter unter Inkaufnahme altersspezifischer Risiken zu erfüllen", heißt es in dem Urteil. Anders könne die Entscheidung höchstens dann ausfallen, wenn es wegen der Gesundheit der Eltern nur wenig wahrscheinlich sei, dass das Kind lebend zur Welt komme.

Bei dem Ehepaar in dem Fall sah der Bundesgerichtshof dafür keine Anhaltspunkte. Die Versicherung muss die Kosten deshalb weitgehend übernehmen.