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Live-Dossier Flüchtlinge

Willkommen in Europa?

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Die Flüchtlingspolitik bringt Europa an seine Grenzen. Die einen schotten sich ab, die andern verschärfen die Asylgesetze. Die Entwicklung im Überblick

Von Sybille Klormann

Der aktuelle Stand:

  • Mehr als 65 Millionen Menschen sind weltweit auf der Flucht. Es ist die höchste Zahl, die der UN-Flüchtlingsrat (UNHCR) jemals verzeichnet hat.

  • 2015 kamen mehr als eine Million Flüchtlinge nach Deutschland. Auch in diesem Jahr ist die Zahl der Menschen, die nach Europa wollen, hoch. Mittlerweile ist die Balkanroute dicht, Tausende Menschen sitzen fest – vor allem in Griechenland.

  • Die Menschen versuchen, wieder über die gefährliche Mittelmeerroute nach Europa zu gelangen. Die Nato patrouilliert vor den Küsten Griechenlands und der Türkei.

  • Seit Monaten gibt es in der EU Streit über die Aufnahme und Integration der Migranten. Osteuropäische Staaten stemmen sich gegen feste Verteilquoten und haben ihre Grenzen dichtgemacht, andere Länder verschärfen die Asylgesetze. Von einem gemeinsamen Vorgehen aller Mitgliedsstaaten ist die EU weit entfernt.

  • Mit der Türkei hat die EU ein Abkommen geschlossen, um die unkontrollierte Zuwanderung von Flüchtlingen zu stoppen und Schleuserbanden zu bekämpfen. Die Vereinbarung sieht vor, dass Flüchtlinge, die illegal über die Ägäis nach Griechenland kommen, von der Türkei zurückgenommen werden. Im Austausch für jeden zurückgenommenen Flüchtling lässt die EU einen bereits in der Türkei lebenden Flüchtling legal nach Europa einreisen.

27 Beiträge 25. Juni 2015 bis 20. Juni 2016

20.06.16

Die neuen Zahlen des UN-Flüchtlingshilfswerks für das Jahr 2015 sind ernüchternd: Insgesamt 65,3 Millionen Menschen sind weltweit auf der Flucht. Das bedeutet, derzeit sucht jeder 113. Mensch Asyl, ist Flüchtling oder binnenvertrieben. Besonders betroffen sind Syrien, Afghanistan und Somalia: Die Hälfte aller Flüchtlinge unter UNHCR-Mandat kommt aus diesen drei Ländern. mehr lesen

26.05.16

Das Lager in Idomeni wird geräumt

In nur drei Tagen räumen die griechischen Behörden das illegale Camp in Idomeni. Etwa 9.000 Menschen haben dort gelebt, ein Großteil wurde jetzt in offizielle Lager des Landes gebracht. Wer nicht in die Busse steigen wollte, ist vorher geflohen. Die griechische Regierung spricht von einem Erfolg. Flüchtlingshelfer kritisieren, die Menschen seien in dem Camp regelrecht ausgehungert worden. mehr lesen

© Lenz Jacobsen für ZEIT ONLINE
09.05.16

An der slowakischen Grenze haben Zöllner auf ein Auto mit Flüchtlingen geschossen. Empörung in Parteien, Verbänden und sozialen Medien bleibt aus. mehr lesen

27.04.16

Österreich verschärft das Asylrecht

Die Regierung in Wien kann ab sofort den Notstand ausrufen. Dann darf praktisch kein Asylbewerber mehr ins Land. Auch am Brenner trifft das Land Vorsorge: Die Autobahn Richtung Italien soll stärker kontrolliert und ein 370 Meter langer Zaun gebaut werden. mehr lesen

© Leonhard Foeger/Reuters
12.04.16

Die Küstenwache rettet innerhalb von 24 Stunden mehr als 4.000 Menschen auf dem Mittelmeer. Die Geretteten hatten den Angaben zufolge in Libyen Schmuggler bezahlt und von dort aus Richtung Italien abgelegt. Das bestätigt die Befürchtungen: Viele Flüchtlinge riskieren wieder ihr Leben, weil die anderen Wege nach Europa dicht sind. mehr lesen

18.03.16

EU und Türkei beschließen umfassendes Abkommen in der Flüchtlingskrise

Rückführung und Verteilung von Flüchtlingen, Visafreiheit und Beitrittsverhandlungen für die Türkei: Die EU-Staaten vereinbaren mit der Türkei, wie sie in der Flüchtlingskrise zusammenarbeiten wollen. mehr lesen

© Thierry Charlier/AFP/Getty Images
15.03.16

Die mazedonisch-griechische Grenze ist geschlossen. Hier sterben Menschen oder werden krank. Europas Flüchtlingsproblem ist nun vor allem ein Problem Griechenlands. mehr lesen

08.03.16

Serbien und Slowenien schließen ihre Grenzen

Die Flüchtlingsroute von der Türkei Richtung Nordwesteuropa ist faktisch dicht. In der Nacht hat Slowenien die Grenze geschlossen. Künftig dürften Schutzsuchende nur in das Land, wenn sie dort Asyl beantragen wollen oder in Einzelfällen aus humanitären Gründen. Kroatien, Serbien und Mazedonien ergreifen ähnliche Maßnahmen.  mehr lesen

© Balazs Mohai/dpa
25.02.16

Asylverfahren beschleunigen, Familiennachzug begrenzen, schneller abschieben: Das sind die Ziele, die die Bundesregierung mit dem Asylpaket II verfolgt. Der Bundestag hat es jetzt verabschiedet. mehr lesen

19.02.16

Die EU kommt ohne die Türkei nicht weiter

Wieder hat ein EU-Gipfel keine Fortschritte gebracht. Beschlüsse, die in Zahlen oder gar Kontingenten greifbar wären, wurden gar nicht erst diskutiert. Stattdessen setzt die Gemeinschaft auf ein Nicht-EU-Land: die Türkei. Sie soll für Europa die Flüchtlingskrise entschärfen.  mehr lesen

© Emmanuel Dunand/AFP/Getty Images
28.01.16

“Jetzt müssen andere Länder ran”, sagt Schwedens Integrationsminister Morgan Johansson. Lange hatte sein Land besonders viele Flüchtlinge aufgenommen. 160.000 Asylbewerber – 1,6 Prozent der Bevölkerung waren es im vergangenen Jahr. “Von denen waren 35.000 unbegleitet und minderjährig. Das entspricht 1.000 Schulklassen!”, rechnet der Minister vor. Und auf jene Menschen müsse sich Schweden nun konzentrieren. mehr lesen

20.01.16

Österreich beschließt Obergrenze für Flüchtlinge

Die Regierung in Wien will 2016 nur noch 37.500 Flüchtlinge aufnehmen, halb so viele wie 2015. Auch in Deutschland wird über eine Obergrenze für Flüchtlinge debattiert, Österreich setzt sie in die Tat um. mehr lesen

20.01.16

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch wirft der bulgarischen Polizei vor, Flüchtlinge geschlagen und ausgeraubt zu haben. Das Innenministerium bestreitet die Angaben. Im vergangenen Jahr sind mehr als 30.000 Menschen illegal nach Bulgarien eingereist, fast dreimal so viele wie 2014. Sehr wenige von ihnen bleiben im ärmsten Staat der Europäischen Union. mehr lesen

06.01.16

Dänemark hat fünf Grenzübergänge zu Deutschland dicht gemacht – auch als Reaktion auf die Grenzschließungen in Schweden zwei Tage zuvor. mehr lesen

03.12.15

Es brennt in Deutschland

"Mit der ganzen Härte des Rechtsstaats" werde der Staat gegen Menschen vorgehen, die Flüchtlinge angreifen. Das hatte Angela Merkel noch im September versprochen. Mittlerweile werden fast täglich Unterbringungen von Flüchtlingen attackiert, mehr als 200 Angriffe gab es in diesem Jahr. Gefasst wurde kaum jemand. mehr lesen

© Benjamin Beytekin/action press
02.12.15

Die Slowakei klagt gegen Verteilung von Flüchtlingen

Die Slowakei geht vor den Europäischen Gerichtshof, um gegen die mehrheitlich beschlossene EU-Flüchtlingsquote zu klagen. Sie hält die Verteilungsschlüssel für "unsinnig und technisch unmöglich". Die Slowakei könne Asylbewerber nicht festhalten, wenn sie nach Deutschland wollten. mehr lesen

© David W Cerny/Reuters
26.10.15

EU-Gipfel beschließt 100.000 zusätzliche Aufnahmeplätze

Entlang der Balkanroute sollen 100.000 zusätzliche Aufnahmeplätze für Flüchtlinge geschaffen werden, davon 50.000 in Griechenland. Das haben einige EU-Staaten bei einem Sondertreffen mit den Regierungschefs der Balkanländer vereinbart. Zu dem beschlossenen Maßnahmepaket gehört auch eine neue Frontex-Mission, die die Grenzen zwischen Griechenland, Mazedonien, Albanien und Serbien besser absichern soll.  mehr lesen

© Francois Lenoir/Reuters
16.10.15

Ungarn schließt nun auch die Grenze nach Kroatien. Der Schritt sei eine Reaktion auf die Untätigkeit der EU, sagte Außenminister Péter Szijjártó.  mehr lesen

22.09.15

EU beschließt Verteilung von 120.000 Flüchtlingen

Griechenland und Italien müssen dringend entlastet werden. Daher hat die EU eine Umverteilung von Flüchtlingen auf andere Mitgliedsstaaten beschlossen – allerdings gegen den Willen einiger Mitgliedsstaaten. mehr lesen

© Jeff J Mitchell/Getty Images
13.09.15

Deutschland führt Kontrollen an der Grenze zu Österreich ein. Bundesinnenminister de Maizière spricht von einer zeitweiligen Maßnahme.  mehr lesen

03.09.15

Das Bild des dreijährigen Alan Kurdi geht um die Welt

Unweit des südwesttürkischen Badeortes Bodrum wird eine Kinderleiche an Land gespült. Alan Kurdi und sein drei Jahre älterer Bruder sind zusammen mit ihren Eltern aus dem syrischen Kobane geflohen. Das Bild des toten Jungen verbreitet sich schnell – die Flüchtlingskatastrophe ist auf diesen einen Moment verdichtet. mehr lesen

© AP/dpa
01.09.15

Die Umgebung des Budapester Bahnhofs Keleti gleicht einem Flüchtlingslager. Tausende Menschen haben die Nacht vor dem Bahnhofseingang verbracht. Es ist klar, wohin sie alle wollen: “Deutschland, Deutschland” skandieren die Menschen. mehr lesen

31.08.15

Merkel positioniert sich gegen Fremdenfeindlichkeit

Bundeskanzlerin Angela Merkel findet bei einer Pressekonferenz ungewohnt emotionale und klare Worte zu den Flüchtlingstragödien in Europa. Deutlich wird auch ihr Unverständnis gegenüber jenen, die in Deutschland Flüchtlinge und ihre Unterkünfte angreifen. mehr lesen

28.08.15

71 Menschen sterben in einem Lastwagen, der an einer Autobahn in Österreich abgestellt wurde. Vermutlich waren sie aus Syrien geflohen und von Schleusern im Stich gelassen worden. mehr lesen

25.08.15

Deutschland setzt Dublin-Verfahren für Syrer aus

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) setzt das umstrittene Dublin-Verfahren für Flüchtlinge aus Syrien aus. Sie dürfen also künftig in Deutschland bleiben und werden nicht mehr in den EU-Staat zurückgeschickt, in dem sie zuerst registriert wurden. Das Bamf begründet seine Entscheidung mit humanitären Gründen, zudem könnten dadurch die Verfahren schneller bearbeitet werden. mehr lesen

© Bulent Kilic/AFP/Getty Images
30.07.15

Tausende Flüchtlinge versuchen vor dem Eurotunnel in Calais auf Laster zu springen, die nach Großbritannien fahren. In der ersten Jahreshälfte 2015 entdeckte die Polizei mehr als 18.000 Menschen, die illegal über den Ärmelkanal gelangen wollten. Immer wieder sterben Flüchtlinge bei den waghalsigen Manövern. mehr lesen

25.06.15

Ungarn zäunt sich ein

Die Regierung von Viktor Orbán will einen 175 Kilometer langen Zaun an der Grenze zu Serbien errichten. Damit soll verhindert werden, dass noch mehr Flüchtlinge ins Land gelangen. Wenn das nicht reicht, sollen weitere Zäune errichtet werden.  mehr lesen

© Bernadett Szabo/Reuters

Frühere Ereignisse:

  • Viele Flüchtlinge sterben bei Unglücke auf dem Mittelmeer. Das löst eine europaweite Debatte über die Flüchtlingspolitik aus. Die Seenotrettungsmission Mare Nostrum rettet bis zum Herbst 2014 150.000 Menschen. Mehr als 3.400 werden im gleichen Jahr tot geborgen.

  • Am 3. Oktober 2013 sinkt vor der italienischen Insel Lampedusa ein Flüchtlingsschiff, 366 Menschen sterben.

  • Seit Ausbruch des Bürgerkriegs in Syrien im März 2011 sind bis Mitte 2015 mehr als vier Millionen Syrer ins Ausland geflohen. Knapp die Hälfte wurde von der Türkei aufgenommen.