In anderer Hinsicht haben es vor allem diejenigen Franzosen schlecht, die kurz vor der Pensionsgrenze stehen. In Deutschland gibt es '"lange nicht eine so hohe Diskriminierung der Alten im Beruf wie in Frankreich", sagt Krause. Nur sieben Prozent der 64 oder 65 Jahre alten Männer seien im Nachbarland noch beschäftigt.

Japan

Hier bietet sich sogleich der Vergleich zu Japan an. Denn dort sind laut Kruse noch 30 Prozent der 65-jährigen Männer erwerbstätig. Überhaupt scheint sich das Klischee zunächst zu bestätigen, in der eher kollektivistischen Gesellschaft Japans würden die Alten besser integriert als im individualistischen Europa . "30 Prozent der Familien sind Dreigenerationenhaushalte. Die mittlere Generation fühlt sich verpflichtet, die Alten zu pflegen", berichtet der Altersforscher.

Doch das Konzept wird in den japanischen Großstädten immer problematischer. Die Wohnungen sind klein, das Risiko, vernachlässigt und sogar misshandelt zu werden, ist unter diesen Bedingungen für alte Menschen höher als anderswo. "Die hohe emotionale Bindung und Verpflichtung führt manchmal dazu, dass die Menschen ihr Verhalten nicht mehr kontrollieren können."

Außerdem müsse man in Japan unterscheiden zwischen faktisch gelebter und öffentlich gezeigter Verantwortung. Zwar wird das Alter kollektiv verehrt. "Aber im öffentlichen Raum sind die Alten nicht präsent, dürfen nicht mehr viel mitgestalten", beobachtete Kruse.

Deshalb beginnt man nun in Japan umzudenken. Da die Gesellschaft dort auch noch wesentlich schneller altert als bei uns, bietet man den älteren Japanern beispielsweise an, sich fortzubilden und noch einmal auf den Arbeitsmarkt zurückzukehren: " Second career " wird dieses Konzept genannt.