Bis Nasrin "Tanzen!" ruft und einen Arm über den Kopf hebt wie eine Flamenco-Königin. Gekreische: "Ja!!!" Im Nebenzimmer steht die Stereoanlage. Nasrin dreht Live is Life auf von Opus. "Leben ist leben" grölen die Party-Gäste im Refrain. Sie tanzen im Stockdunklen auf Socken, sie tanzen, als gäbe es kein Morgen mehr.
In Hanas Zimmer macht ein Joint die Runde. Jamshid hat ihn gedreht und angezündet, nun wird er herumgereicht. Hana zieht. Sie kichert und reißt das Fenster auf. Frische Nachtluft zerstreut den Geruch von Marihuana. Die Eltern sind weg, wer soll den Haschkonsum anprangern? Ali, der Bruder, sagt Hana.

Ali kifft selber. Aber er will nicht, dass sich seine Schwestern verhalten wie er, sagt Nasrin. Er tanzt nebenan zu einer Disconummer aus den USA. Er hat seine Hasch rauchenden Schwestern nicht bemerkt und turtelt mit einer Frau herum.

Ali ist westlich eingestellt. Dennoch trägt er die iranische Traditions-Brille. Nach der gelten für Jungs andere Gesetze als für Mädchen. Wenn Ali kifft und mit Frauen schäkert, ist das okay. Seine Schwestern können durch so ein Verhalten schnell billig wirken, davor möchte er sie schützen, sagt er. Ein Spagat zwischen Tradition und Moderne, der Hana und Nasrin nervt. Sie möchten ausreisen und in Kanada weiter studieren. Ihre Zukunft sehen sie in Toronto, nicht in Teheran.

Kurz vor Mitternacht. Das Ende der Party kommt so überraschend wie Regen in der Wüste. Die Zwillinge tragen leere Teller und Gläser in die Küche. Die Frauen schlingen Kopftücher ums Haar. Küsschen rechts, Küsschen links, tschüs! Die Geschwister bleiben zurück und beeilen sich, die Spuren der Party zu beseitigen. Trotz Wodka, trotz Hasch, wirken die Zwillinge stocknüchtern. In Iran muss man es beherrschen, schnell die Fasson wieder zu gewinnen.