Seit bald zehn Jahren können Mütter und Väter in Deutschland ihr Kind anonym in Babyklappen abgeben. Gemeinnützige private und kirchliche Organisationen sowie Krankenhäuser richten sie in bestem Glauben ein. In Deutschland gibt es knapp 80 davon. Sie sollen Neugeborene davor schützen, ausgesetzt oder sogar getötet zu werden. Doch wird die Frage immer öfter gestellt, ob die Frauen, die ihr Kind in eine solche Babyklappe legen, auch die Frauen sind, die ihr Kind töten würden. Und damit die Frage, ob Babyklappen dazu beitragen Kindstötungen zu verhindern oder vielmehr Findelkinder zu produzieren.

Die gesetzliche Regelung zum Thema Babyklappen ist uneindeutig. "Es gibt keine", sagt Bernd Wacker, Adoptionsexperte vom Kinderhilfswerk terre des hommes. Mütter in Not dürfen in Deutschland zwar ihre Neugeborenen anonym in einer Babyklappe abgeben. Dabei wird allerdings das Grundrecht des Kindes auf Kenntnis der eigenen Herkunft verletzt. Auch bei einer anonymen Geburt können Frauen in Kliniken ohne Angabe ihres Namens ein Kind gebären und es dort zurücklassen. Der Vorteil zur Babyklappe ist, dass sie medizinisch versorgt werden. Ein anonymes Kind kommt zunächst in eine Pflegefamilie. Es bleiben der Mutter nach der Geburt acht Wochen Zeit, um zu überlegen, ob sie das Kind zur Adoption freigibt oder es doch zu sich nimmt.  

Der Ethikrat hat nun eine Stellungnahme herausgegeben und sich klar gegen Babyklappen ausgesprochen. Darin wird das Recht des Kindes, seine Herkunft zu kennen, in den Mittelpunkt gestellt. Es sollten statt Babyklappen und anonymen Geburten vielmehr bestehende Hilfsangebote für Schwangere und Mütter in Notsituationen zugänglicher gemacht und insgesamt verbessert werden.

Bernd Wacker spricht sich für die Stellungnahme des Ethikrates aus. Die Empfehlung sei ausgewogen und biete eine gute Kompromisslösung an. Der Ethikrat schlägt ein "Gesetz zur vertraulichen Kindesabgabe mit vorübergehend anonymer Meldung" vor. Das, erklärt Bernd Wacker, könnte Eltern in Notsituationen unter Wahrung absoluter Vertraulichkeit, und vor allem im Rahmen einer langfristigen Beratung helfen, eine gute Entscheidung zu treffen. Gleichzeitig ermöglicht dies trotzdem den Kindern, später einmal etwas über ihre Herkunft zu erfahren.

Für Bernd Wacker steht fest: "Die Babyklappen müssen weg!" Zwar weiß er, dass es Frauen gibt, die in einem Moment ihres Lebens derart unter Druck stehen oder gefährdet sind, dass sie die Anonymität vorziehen. Doch glaube er nicht, dass jede Frau dies grundsätzlich auch in zehn Jahren noch so wolle. Die Lebenssituation könnte sich grundlegend geändert haben. Für das Kind aber würde die Entscheidung eines Moments eine Entscheidung für das ganze Leben bedeuten. Für die psychische Balance vieler Kinder sei es aber essenziell wichtig, ihre Wurzeln zu kennen.

Auch die Pastorin und Seelsorgerin Gabriele Stangel findet, dass es sehr wichtig für die Kinder sei, dass sie später über ihre Herkunft Auskunft bekommen können. Stangel arbeitet seit 14 Jahren im Krankenhaus Waldfrieden in Berlin. Hier gibt es auch eine Babyklappe. Ihre Erfahrung zeigt, dass 95 Prozent aller Mütter, die sich zunächst für einen anonyme Geburt entscheiden, doch nicht anonym bleiben. Sie würden längst gut beraten und sich meist nach gewisser Zeit anders entscheiden. Somit sei die vertrauliche Geburt keine Neuerfindung des Ethikrates, sondern eine in der Praxis angewendete Methode.

Doch an die Eltern der Babyklappenkinder kommt man tatsächlich nicht mehr heran. Stangel sagt, das läge daran, dass Mütter und Väter Angst vor Strafe hätten, wenn sie sich im Nachhinein dazu zu bekennen würden. Hierzu müsse die gesetzliche Regelung eindeutig werden, sodass die Eltern den Schritt zurück zu ihren Kindern finden. Das sei sinnvoller, als die Babyklappen abzuschaffen.