In einigen Regionen Deutschlands häufen sich die Klagen an den Gymnasien, wie beispielsweise am Starnberger See südlich von München. Vorstand Meidinger sagt: "Dort ist eine Elternklientel, die das Abitur ihrer Kinder einfordern. Mancherorts ist es gesellschaftlich inakzeptabel, dass ein Kind nicht auf das Gymnasium geht. Gegen ein derartiges Schulklima kann man auch mit einer offenen Tür-Politik schwerlich vorgehen."

Im Starnberger Landkreis gehen 57 Prozent der Schüler aufs Gymnasium. Das Gymnasium fungiert hier als eine Art neue Volksschule. Angesichts der Fakten müssten die Eltern tatsächlich weniger ängstlich sein. Studienrat Meidinger sagt: "Die Selektivität an den Gymnasien sinkt. Die Demografie arbeitet für die Eltern, denn mit sinkenden Schülerzahlen werden auch die schulischen Hürden gesenkt."

Das Kultusministerium in Bayern bleibt trotz klagender Eltern gelassen. Es handele sich bei den schulrechtlichen Streitigkeiten nach wie vor eher um Einzelfälle. "Genaue Zahlen liegen uns nicht vor, in aller Regel werden Konflikte an der Schule gelöst", sagt Nicole Steinbach, Sprecherin des Staatsministeriums. 

Dr. Werner Sacher, Professor für Schulpädagogik an der Universität Erlangen, fordert eine stärkere Zusammenarbeit zwischen Schulen und Eltern: "Ohne Unterstützung des Elternhauses kann die Schule ihre Erziehungs- und Unterrichtsaufgabe nicht mehr leisten. Allerdings gleicht die Elternarbeit bislang einem bloßen Aktionismus. Es fehlt in Deutschland an Erfahrung und Theorie."

In seinem Buch Elternarbeit zeigt er Möglichkeiten auf, wie ein Elterntraining, die Elternmitarbeit im Unterricht oder die Mitbestimmung der Eltern. Er legt Wert auf differenzierte Elternarbeit, die schicht- und migrationsspezifisch ist, sogar auf eine geschlechtsspezifische Elternarbeit und auf eine für schwer erreichbare Eltern. Durch die Änderung des Schulrechts in Bayern ist die Mitwirkung des Elternbeirats bereits stärker verankert worden. Häufig ist Elternwille zustimmungsrelevant. Bei der Planung von Klassenfahrten oder Wahlunterricht muss der Elternbeirat vorinformiert oder mit einbezogen werden. Organisatorisch erschwert das für viele Schulen den Aufwand, beispielsweise, wenn Eltern über die Stundenplanung informiert werden sollen, die Lehrerzuweisung noch nicht steht, und im kommenden Schuljahr alles ganz anders kommt.

 

"Ein partnerschaftliches Verhältnis" wird dennoch am Robert-Koch-Gymnasium im niederbayerischen Deggendorf, an dem Philologen-Vorstand Meidinger tätig ist, umgesetzt. Der Kontakt zwischen Schulleitung, Eltern und Lehrer wird flexibel gestaltet. Die Eltern erhalten E-Mail-Adressen der Lehrer, das Sekretariat gibt bei Bedarf private Telefonnummern heraus. Auch außerhalb der Sprechstunden herrscht Gesprächsbereitschaft im Kollegium. 

Ähnlich handhabt es das Gymnasium in Tutzing am Starnberger See. "Seit etwa einem Jahr arbeiten wir daran alle Wege der Kommunikation kritisch zu beleuchten. Gute Rückmeldung dazu haben wir durch eine externe Evaluation und einen internen Elternfragebogen erhalten. Außerdem haben eine ganztägige Lehrerfortbildung zu den Themen Feedbackkultur, schwierige Gespräche mit Eltern/Schülern und lösungsorientierte Gesprächsführung veranstaltet", sagt Schulleiter Thomas Franz.

Von einem wahren Informationsaustausch zwischen Eltern und Lehrer sind die Schulen bislang aber weit entfernt. Ohne Ausprägung unabdingbarer Eigenschaften für gemeinsames Verwirklichen von Zielen, wie Zurückstellen der Eigeninteressen, Akzeptanz, Vertrauen und Gelassenheit wird jede Form von Elternarbeit schwer durchsetzbar bleiben. Und Philologenvorstand Meidinger warnt: "Ich sage nicht, je mehr Kontakt, umso besser für die Schule. Es sollte auch ein Raum existieren, in dem die Kompetenz des Lehrers respektiert wird."