38 Kuchen und 50 anwesende Eltern – das macht oft die Zusammenarbeit zwischen Eltern und Schule aus. Gut besuchte Theatervorführungen, Elternabende oder backende und bastelnde Mütter sorgen dafür, dass Schulleiter und Kollegium an eine gute Elternarbeit glauben.

Auf Schul- und Lernerfolg der Kinder haben diese Dinge jedoch wenig Einfluss. Die geselligen Abende taugen zudem nicht, um Konflikte in Bezug auf Notengebung, Leistungsverhalten und Versetzung zu entschärfen. Eltern misstrauen oft den Entscheidungen der Lehrer.

Der Erziehungswissenschaftler Werner Sacher sagt, ein Elterntraining müsse an die Stelle von Aktionismus treten. Es soll Aufgabe der Lehrer werden, den Eltern fehlende Erziehungskompetenzen zu vermitteln. Dafür müssen die Lehrer die Eltern aus der Resignation holen und stärken: "ein innerliches Durchstrecken der Eltern", nennt es der Wissenschaftler.

"Die internationale Forschungsarbeit zeigt, dass Elternarbeit fruchtet, wenn die Eltern nah am Lernprozess der Kinder dran sind", so Sacher. Lehrer müssen Eltern in die Schule holen, sie anleiten, trainieren, zur Mitarbeit einladen, Lernhinweise geben und vieles mehr. "Der Anteil der Eltern am Lernerfolg der Kinder ist doppelt so hoch wie derjenige der Schule. Allein auf die Lesekompetenz eines Kindes hat die Familie 66 Prozent, die Lehrkraft hingegen nur 31 Prozent Einfluss", sagt Sacher.

Wichtig dabei sei, so Sacher, ein geordneter, warmer Tagesablauf, die Eltern müssen intellektuelle Anregungen bereithalten und diese ohne Druck anbieten. Erst danach komme das Interesse der Eltern an den Lernfortschritten der Kinder. Dabei gehe es jedoch nicht um ein maßloses, inhaltliches Überprüfen von Schularbeiten. "Reines Lerncoaching wirkt sich in bildungsfernen Schichten entmutigend aus", sagt Sacher, "auf Kinder aus bildungsnahen Schichten übt es Druck aus".

Nina Bugger, Realschullehrerin für Deutsch und Erdkunde, zeigt sich erstaunt: "Ich frage mich schon, was ich neben Korrektur, Unterricht und außerschulischen Aktivitäten wie Skilager noch alles leisten soll". Professor Sacher bleibt pragmatisch: "Ich sage oft in Vorträgen, sie müssen sich mal das ungenutzte Potenzial der Kinder vor Augen halten. Lieber findet der Unterricht ein wenig traditioneller statt und es bleibt Zeit für das Elterntraining."

Expertengruppen könnten außerhalb der Schule den Lehrkräften helfen, ihnen entsprechende Entlastung anbieten. Allerdings sind viele dieser Anbieter kostenpflichtig und erreichen eher die Eltern, die sich für die Förderung der Kinder ohnehin schon verausgaben.