Deutschland – ein Bildungspuzzle: Ein Kind in Berlin in die Schule zu schicken, ist etwas völlig anderes als es in Sachsen oder Baden-Württemberg lernen zu lassen. Die Vielzahl der Schulformen, der Schulgesetze, der Abschlüsse kann einen Umzug in ein anderes Bundesland für Familien zum Abenteuer machen.

Das Ziel der Bildungspolitiker sollte sein, Kindern gerecht zu werden, die einfach klüger werden wollen. Aber die Länder führen mit ihrer Schulpolitik lieber eine Abwehrschlacht gegen den Bund: Jegliche Einmischung von dort ist tabu. Und jedes Land preist sein Schulsystem als das beste.

Am Arbeitsmarkt gilt aber das bayerische oder sächsische Abitur mehr als das eines Berliner Schülers. Herkunft entscheidet damit über die Karrierechancen – was die Sonntagsredner stets wortreich verurteilen. Auch auf dem CDU-Parteitag war dies zu hören, von Parteivize Annette Schavan, Bundesbildungsministerin.

Seit der Föderalismusreform II sind die Schulen der letzte Sektor, in dem die Länder ausschließlich das Sagen haben. Der Bund darf sich nicht beteiligen, selbst wenn er nur Geld geben wollte. Doch das wäre dringend vonnöten: Seit Jahren können arme Länder wie Berlin die Verantwortung für ihre Schulen nicht mehr ausreichend wahrnehmen, auch anderswo lernen Schüler in maroden Räumen in viel zu großen Klassen.

Kindern ist der Föderalismus egal. Die CDU hätte auf ihrem Parteitag in Leipzig die Chance gehabt, die Wende zum Besseren einzuleiten. Doch die Befürworter von mehr Durchlässigkeit in der Bildungsfinanzierung unterlagen der Übermacht der Bildungsseparatisten.

Statt das Kooperationsverbot von Bund und Ländern ausdrücklich aufzuweichen, beschränkte sich die Partei darauf, Schulabschlüsse besser vergleichbar zu machen. Auch die unzeitgemäße Hauptschule darf bleiben. Wo es erwünscht ist, kann sie in der Realschule aufgehen. Haltung hat die CDU mit diesem Kniefall vor den Bestandswahrern nicht bewiesen. Die Folgen werden noch lange Zeit zu besichtigen sein.