Es gibt in Deutschland einer Studie zufolge zu wenige Ganztagsschulen . Die Nachfrage übersteige das Angebot bei Weitem, wie Sozialwissenschaftler im Auftrag der Bertelsmann Stiftung herausfanden.

Im Schuljahr 2011/12 besuchten demnach bundesweit 2,3 Millionen Schüler der Primar- und Sekundarstufe I öffentliche und private Ganztagsschulen. Das sind 30,6 Prozent aller Schüler dieser beiden Altersgruppen. Ein Jahr zuvor betrug die Quote 28,1 Prozent.

Weniger als die Hälfte der Ganztagsschüler besuchte eine gebundene Ganztagsschule (13,7 Prozent aller Schüler), bei der das Nachmittagsprogramm an mindestens drei Nachmittagen verpflichtend ist. Die Länder hätten die Milliardenhilfe des Bundes vorrangig in offene Ganztagsangebote investiert, heißt es in der Studie. Bei diesem Modell ist die Nachmittagsbetreuung freiwillig und besteht vorrangig aus Freizeitangeboten und Hausaufgabenbetreuung.   

In Sachsen besuchen 80 Prozent Ganztagsschulen

Große Unterschiede gibt es der Studie zufolge zwischen den Bundesländern. In Sachsen gehen 80 Prozent der Schüler ganztags zur Schule, in Bayern nur elf Prozent. Die Verteilung sei aber keine Frage von Ost und West oder Nord und Süd. In Brandenburg (46,6 Prozent) ist der Ganztagsanteil doppelt so hoch wie beim Nachbarn Sachsen-Anhalt (23,6). In Nordrhein-Westfalen (34,8 Prozent) gehen doppelt so viele Schüler auch am Nachmittag in die Schule wie in Baden-Württemberg (17,2).

Im Jahr 2010 hatte eine Umfrage von infratest dimap ergeben, dass 63 Prozent der Eltern sich den Besuch einer Ganztagsschule für ihr Kind wünschen. Im vergangenen Jahr war dieser Wert einer Umfrage von TNS Emnid zufolge auf 70 Prozent angestiegen. 

Jörg Dräger vom Vorstand der Bertelsmann Stiftung forderte einen Rechtsanspruch auf einen Platz in einer Ganztagsschule. Nur so könne der Ausbau beschleunigt werden. Studien der Stiftung hatten im vorigen Jahr die Kosten für einen umfassenden Ausbau der gebundenen Ganztagsschule auf jährlich 9,4 Milliarden Euro beziffert.