In der Petition heißt es nun aber, der Bildungsplan ziele auf "eine pädagogische, moralische und ideologische Umerziehung an den allgemeinbildenden Schulen" ab. Der Initiator schreibt zwar, man dürfe die LSBTTIQ-Lebensstile (lesbisch, schwul, bisexuell, transsexuell, transgender, intersexuell und queer) nicht diskriminieren, fährt dann aber fort: "Aus der gleichen Würde jedes Menschen folgt noch nicht, dass jedes Verhalten als gleich gut und sinnvoll anzusehen ist." Und aus vielen Kommentaren liest man heraus, dass die Schreiber wünschen, über Homosexualität solle man am besten gar nicht reden oder nur, wenn man sie moralisch bewertet – als nicht erstrebenswert. Gut sei nur die Ehe zwischen Mann und Frau. Manche behaupten, Toleranz gegenüber Homosexuellen bedeute Intoleranz gegenüber christlichen Werten.

Manche nennen diese Gegend im Schwarzwald "Pietkong", denn dort lebten viele strenggläubige, pietistische Christen. Der Initiator gehört einer diesen Gemeinden an, vermeidet es aber in der Petition, sich explizit auf die Bibel zu beziehen, er spricht lieber von Werten. Er fürchtet weiterhin, das von "konstruktiver Zusammenarbeit geprägte Miteinander von Schule und Elternhaus wird durch 'Verankerung der Leitprinzipien' zur Disposition gestellt". Auch viele Kommentatoren fordern, Erziehung gehöre in die Familie und Lehrer sollten sich darauf beschränken, Wissen zu vermitteln. "Verkürzt und teilweise falsch" nennt der Kultusminister die Petition. Unter anderem gehöre natürlich Erziehung, beispielsweise Demokratieerziehung, in Deutschland seit jeher in die Schule. 

"Sie wollen, dass unsere Kinder nicht mehr fruchtbar sind"

Der Initiator hat zwar mit den vielen Unterschriften in seiner Petition bislang keine juristische Schlagkraft, nach Ende der Laufzeit könnte sie beim Petitionsausschuss des Landtags eingereicht werden, der sich dann unter Umständen damit befassen müsste. Aber er schürt mit seinen abstrusen Ausführungen erfolgreich Angst. So schreibt er, homosexuelle Jugendliche seien besonders suizidgefährdet und anfällig für Alkohol und Drogen, für HIV oder psychische Erkrankungen.

Laut Süddeutscher Zeitung liegen gegen den Initiator inzwischen eine Dienstaufsichtsbeschwerde und eine Strafanzeige vor. Und es gibt inzwischen eine Gegenpetition.

Kultusminister Stoch sagt: "Uns unterstellt die Petition Indoktrination. Das kann sie nur, weil der Verfasser selbst aus einer Haltung der Intoleranz heraus argumentiert." Derweil erhält er viele E-Mails, in denen zum Beispiel steht: "Sie wollen, dass unsere Kinder nicht mehr fruchtbar sind" oder "Homosexualität ist eine Krankheit". "Viele Menschen sind unsicher", sagt Stoch. "Die Petition zeichnet ein Zerrbild, nutzt die Ängste und die Uninformiertheit vieler Menschen." Umso wichtiger, dass das Thema umfassend in der Schule behandelt wird.