Tatsächlich ist die Zusammensetzung der Schülerschaft unverändert: 86 Prozent der etwa 850 Jugendlichen haben einen sogenannten Migrationshintergrund, 78 Prozent der Familien leben von staatlichen Transferleistungen. "In den Klassen 1 bis 3 ändert sich das aber", sagt Rektorin Heckmann. Die Erstklässler spiegeln wieder, was sich in Neukölln um den Rütli-Campus herum tut: Der einst berüchtigte Problembezirk ist inzwischen gefragt. Mieten steigen, es gibt angesagte Bars, Bioläden und die eine oder andere Kunstgalerie. Bis der Wandel alle Jahrgänge erreicht, ist es nur eine Frage der Zeit. 

Bald bekommen die ersten Rütli-Abiturienten Zeugnisse

Der Zusammenschluss zur Gemeinschaftsschule war eine der wichtigsten Veränderungen. Alle Schulabschlüsse sind jetzt möglich. Im Sommer erhält der erste Jahrgang seine Abiturzeugnisse. Rozan wird dabei sein, sie steckt mitten im Abi-Lernstress. Ihre Eltern kommen aus dem Libanon und wohnen in der Nähe, deswegen war klar, dass sie auf die Rütli-Schule gehen würde – damals hieß sie auch noch so. Sie fand die Schule immer in Ordnung, "Stress gibt es doch überall mal."

Auch Mustafa, 10. Klasse, will Abitur machen. Er wollte jedoch nicht auf die frühere Rütli-Schule. "Ich dachte, da ist Terror." Aber er fühlte sich wohl. Der 17-Jährige engagiert sich beim Arbeiter-Samariter-Bund. Wenn die Noten gut genug sind, will er Medizin studieren.

Beide haben an der Volkshochschule, die auch auf dem Campus ist, Kurse in den Muttersprachen ihrer Eltern belegt. Türkisch und Arabisch werden als zweite Fremdsprache anerkannt, ohne die kein Schüler Abitur machen darf. "Dafür haben wir lange gekämpft", erzählt Rektorin Heckmann. Sie ist überzeugt, dass Schüler nicht nur Deutsch, sondern auch ihre Familiensprache sicher beherrschen sollten. Viele Schüler hätten eine "doppelte Halbsprachigkeit", seien also sowohl im Deutschen als auch in der Sprache ihres Herkunftslands unsicher.

Mit den Eltern sei die Verständigung nicht so schwierig wie häufig angenommen, sagt Heckmann. Direkt nach der Anmeldung des Kindes bekommen die Familien einen Hausbesuch, "noch bevor es irgendein Problem geben kann". Die Eltern mit ins Boot zu holen gehört zu den Rütli-Erfolgsrezepten. Natürlich sei das zeitaufwändig und anstrengend. "Aber es wird auch als Erleichterung erlebt", sagt Heckmann. Auch die Zusammenarbeit der Familien aus verschiedenen Kulturkreisen untereinander funktioniere ganz gut. In der Gesamtelternvertretung engagierten sich türkische, arabische, polnische und deutsche Eltern.