Die hessische Odenwaldschule hat die Insolvenz vorerst abgewendet. Die Privatschule hat die für einen Weiterbetrieb notwendige Summe von 2,5 Millionen Euro nach eigenen Angaben aufgetrieben. Damit sei die Finanzierung für die nächsten drei Jahre gesichert.

Kurz zuvor hatte der Landkreis Bergstraße als Aufsichtsbehörde berichtet, die Schule habe ihn über die geglückte Finanzierung unterrichtet. Das Sozialministerium als weitere Aufsichtsbehörde teilte mit, die schriftlichen Unterlagen würden nach deren Eingang geprüft. Vor drei Wochen hatte die Schule ihre finanzielle Notlage bekannt gegeben und Unterstützer um Spenden und Darlehen gebeten.

Das Internat kämpft seit Jahren mit rückläufigen Schülerzahlen. Ausgangspunkt war ein Skandal um sexuellen Missbrauch, der lange vertuscht worden war und vor fünf Jahren an die Öffentlichkeit kam. Ein Abschlussbericht nennt mindestens 132 Schüler, die missbraucht wurden.

Die Frist zur Finanzierung hatte sich die Odenwaldschule selbst gesetzt. Die Schule hatte sich auf Druck von Aufsichtsbehörden im Internat und in ihrer Rechtsform organisatorisch umbauen müssen. Sie brauchte deshalb eine neue Betriebsgenehmigung, die Behörden verlangten dafür eine nachvollziehbare Finanzierung. 

Vor drei Wochen hatte die Odenwaldschule bekannt gegeben, dass ihr das Aus droht. Es müssten 2,5 Millionen Euro zusammenkommen, damit es finanziell weitergehen könne. Am Montag hatte die Schule mitgeteilt, nach zwei Wochen bereits 1,9 Millionen Euro gesammelt zu haben und noch einmal mit Frist an diesem Freitag einen Appell an Eltern, Altschüler und Freunde gerichtet.

Die Privatschule in Heppenheim ist eine der bekanntesten deutschen Reformschulen. Sie wurde 1910 von Paul Geheeb (1879-1961) gegründet und stellt das Lernen in der Gemeinschaft in den Vordergrund. Zu den ehemaligen Schülern des Internats gehören auch Prominente, wie der Schriftsteller Klaus Mann und der Grünen-Politiker Daniel Cohn-Bendit.