An deutschen Ganztagsschulen gibt es von Bundesland zu Bundesland große Unterschiede bei den Lernzeiten und der Ausstattung mit Lehrern oder Erziehern. Dies ist eines der Ergebnisse einer am Donnerstag vorgestellten Studie der Bertelsmann Stiftung zum bundesweit wachsenden Ganztagsschulangebot in Deutschland.

So liegt die Bandbreite dessen, was die Länder jährlich für zusätzliches Ganztagspersonal ausgeben, zwischen 1.300 Euro pro Schulklasse einer gymnasialen Ganztagsschule (Sekundarstufe I) in Sachsen und knapp 37.000 Euro in Rheinland-Pfalz. 

Die Analyse der Bertelsmann Stiftung will erstmals die Lernbedingungen für die 1,27 Millionen Schüler in bindenden Ganztagsschulen vergleichbar machen.

Der Ausbau der Ganztagsschulen ist in den vergangenen Jahren in Deutschland vorangekommen, die Schüler finden dort jedoch nicht überall die gleichen Bedingungen vor. Rund 60 Prozent der Schulen bieten laut der Studie mittlerweile einen Ganztagsbetrieb an. Vor 15 Jahren war es noch nicht einmal jede fünfte Schule.

"Der quantitative Ausbau war aber nicht an einheitliche Qualitätsstandards gekoppelt", erklärte die Stiftung. Die Rahmenbedingungen für Ganztagsschulen unterschieden sich daher stark zwischen den Bundesländern und den Schulstufen.

Die zusätzliche Lernzeit an Grundschulen mit verpflichtendem Ganztagsbetrieb liegt der Untersuchung zufolge bei durchschnittlich knapp 14 Stunden pro Woche. An weiterführenden Schulen umfasst sie demnach nur acht Stunden. Auch zwischen den Ländern gibt es große Unterschiede: So reicht die zusätzliche Lernzeit an Grundschulen von acht Stunden in Thüringen, Sachsen und Nordrhein-Westfalen bis 22 Stunden in Hessen.

Auch die Personalausstattung fällt unterschiedlich aus. Grundschulklassen erhalten im Schnitt von den Ländern zusätzliches Personal für zwölf, an weiterführenden Schulen für fünf Wochenstunden. Zwischen den Ländern reicht dabei bei Grundschulen die Spannweite von drei zusätzlichen Wochenstunden in Bremen bis zu knapp 32 Stunden im Saarland.

Hessen und Bremen liegen hinten

Zusätzliche Lernzeit und Personalausstattung passen allerdings nicht immer zusammen. Im Schnitt deckt das vom Land gestellte zusätzliche Personal bei gebundenen Ganztagsgrundschulen zwar 91 Prozent der zusätzlichen Lernzeit ab, doch das Verhältnis ist in den Ländern sehr unterschiedlich. Die geringste Abdeckung weisen dabei Hessen und Bremen mit 22 Prozent auf.

"Wo in Deutschland Ganztag draufsteht, ist leider nicht immer Ganztag drin", kritisierte Stiftungsvorstand Jörg Dräger. Er forderte deshalb "bundesweite Mindeststandards", um gleichwertige Lernchancen zu ermöglichen. Es brauche mehr Transparenz über die tatsächlichen Ausstattungen der Ganztagsschulen und eine Debatte über angemessene zeitliche und personelle Rahmenbedingungen.