Im Zuge des großen Kitaausbaus sind in den vergangenen Jahren viele neue Kindergärten- und vor allem Krippenplätze geschaffen worden. Doch der Besuch einer Kita garantiert nicht automatisch, dass Kinder aus bildungsfernen oder Migrantenfamilien bessere Bildungschancen haben, wie sich das viele Bildungsforscher erhofft hatten. Dazu müssen auch das Umfeld und die Qualität der Kindergärten stimmen.

Ein Kriterium für die Qualität von Kitas ist der Personalschlüssel: Bildungsforscher empfehlen, dass sich eine Erzieherin um höchstens drei unter Dreijährige oder um 7,5 Kindergartenkinder kümmern sollte. Ansonsten könnten die Betreuer den Kindern nicht gerecht werden. Die Realität sieht immer noch anders aus. Aber der aktuelle Ländermonitor Frühkindliche Bildungssysteme der Bertelsmann-Stiftung zeigt, dass sich die Situation zumindest verbessert hat. Im März 2015 kamen auf eine Kitafachkraft im Durchschnitt weniger Kinder als drei Jahre zuvor. 

Bundesweit war zum 1. März 2015 eine vollzeitbeschäftigte Fachkraft für durchschnittlich 4,3 ganztags betreute Krippen- oder 9,3 Kindergartenkinder zuständig. 2012 kamen auf eine Erzieherin noch 4,8 Krippen- beziehungsweise 9,8 Kindergartenkinder.

Allerdings ist der bundesweite Trend nicht besonders aussagekräftig, da zwischen den Bundesländern große Unterschiede bestehen. Manche erreichen den pädagogisch sinnvollen Schlüssel, die meisten sind jedoch noch weit davon entfernt.

Außerdem fällt das tatsächliche Betreuungsverhältnis im Kitaalltag ohnehin ungünstiger aus als der rechnerisch ermittelte Personalschlüssel. Erzieherinnen verbringen mindestens ein Viertel ihrer Zeit mit Team- und Elterngesprächen, Dokumentation und Fortbildungen. Kinder bleiben länger in der Kita als früher und die Kitas haben ihre Öffnungszeiten ausgeweitet. Wenn kein zusätzliches Personal eingestellt wird, verschlechtert sich die Relation Kind-Erzieher dadurch wiederum.

Besonders schwierig im Osten

Die Unterschiede zwischen den Bundesländern haben sich zwischen 2012 und 2015 sogar noch verstärkt: Am besten ist die Situation derzeit in Baden-Württemberg (1 zu 7,3 Kindergartenkindern), wohingegen in Mecklenburg-Vorpommern fast doppelt so viele Kindergartenkinder pro Erzieherin betreut werden (1 zu 14,1). Kindergartengruppen sind insbesondere in Baden-Württemberg, Rheinland- Pfalz, Hamburg und Nordrhein-Westfalen im Vergleichszeitraum 2012 zu 2015 kleiner geworden. In Brandenburg und Thüringen gab es keine Verbesserungen.

Im Krippenbereich sind die Differenzen zwischen den Bundesländern im Vergleich zu 2012 etwas kleiner geworden. Baden-Württemberg hat auch für die unter Dreijährigen derzeit den bundesweit besten Personalschlüssel (1 zu 3,0). Sachsen ist unter den Bundesländern das Schlusslicht (1 zu 6,4). 2012 war Bremen (1 zu 3,2) Vorreiter und Sachsen- Anhalt hatte den ungünstigsten Personalschlüssel (1 zu 6,9). Die größten Verbesserungen beim Personalschlüssel haben in den Krippengruppen Sachsen-Anhalt und Hamburg erreicht. Ähnlich groß waren die Anstrengungen in Baden-Württemberg und Rheinland- Pfalz. In Thüringen und im Saarland hingegen stagniert das Betreuungsverhältnis für die unter Dreijährigen, in Bremen verschlechterte es sich sogar geringfügig.

Unverändert fällt das große Ost-West-Gefälle auf. Eine ostdeutsche Erzieherin ist für 6,1 Krippenkinder zuständig, eine westdeutsche Erzieherin nur für 3,6 Krippenkinder. Dabei besucht in Ostdeutschland auch ein wesentlich größerer Anteil aller Krippenkinder eine Kita: 47 Prozent der unter Dreijährigen. In den westdeutschen Bundesländern sind es trotz des Ausbaus nur 24 Prozent. Auch in den Kindergartengruppen sind in den westdeutschen Bundesländern (1 zu 8,6) die Betreuungsverhältnisse besser als in den ostdeutschen (1 zu 12,3). Allerdings besuchen in allen Bundesländern fast alle älteren Kinder mittlerweile eine Kita.

100.000 neue Erzieher

Laut der Studie müssten bundesweit 107.000 vollzeitbeschäftigte Fachkräfte eingestellt werden, um beim Personalschlüssel auf das empfohlene Niveau zu kommen. Das würde nach Berechnungen der Bertelsmann-Stiftung jährlich fast fünf Milliarden Euro kosten. Die Personalkosten würden damit um rund ein Drittel ansteigen.

Notwendig wäre dazu eine große Kraftanstrengung von allen: Bund, Ländern, Kommunen, Trägern und wohl auch von den Eltern. Sinnvoll wäre diese in jedem Fall, argumentiert die Bertelsmann-Stiftung. Denn bundeseinheitliche Rahmenbedingungen für die Kitas würden auch zu mehr Chancengleichheit unter den Kindern führen.