Eigentlich läuft es im internationalen Vergleich ziemlich gut in deutschen Kindergärten, Schulen und Universitäten. Das zeigt der aktuelle Bericht der OECD Bildung auf einen Blick. Vom Pisa-Schock gibt es keine Spur mehr. Trotzdem folgt auf jede Erfolgsmeldung noch ein kleines Aber – manchmal auch ein großes.

Was richtig gut läuft: Wer in Deutschland eine Ausbildung oder ein Studium abgeschlossen hat, der findet in der Regel auch einen Job. Und nur 8,4 Prozent der jungen Menschen zwischen 15 und 29 Jahren gehen weder zur Schule, noch machen sie eine Ausbildung oder haben Arbeit. Im OECD-Vergleich sind das sehr wenige. Nur Island und die Niederlande schneiden ein wenig besser ab. Vor zehn Jahren stand Deutschland noch schlechter da: Damals waren fast 15 Prozent der Jugendlichen beschäftigungslos.

Auch gut: Immer mehr junge Leute studieren, es lohnt sich für sie. Ihr Verdienst wird umso besser, je höher ihr Abschluss ist.

Frauen

Doch dann kommt das erste Aber. Zwar gibt es inzwischen genauso viele Frauen wie Männer mit Studien- oder hohem Ausbildungsabschluss. Trotz vieler Kampagnen sind Frauen, die einen naturwissenschaftlichen oder technischen Berufe ergreifen, aber noch die Ausnahme. Ebenso wie Männer, die pflegerisch oder erzieherisch arbeiten wollen. Das Problem dabei ist: Die technischen Berufe werden besser bezahlt, die typischen Frauenberufe schlechter. Frauen sind darüber hinaus nach wie vor häufiger nicht erwerbstätig als Männer.  

Bildungsausgaben

Für die Schulen wurden im Jahr 2013 drei Prozent mehr bezahlt als 2008. Dennoch sind die Ausgaben pro Schüler um zwölf Prozent gestiegen. Das liegt schlicht daran, dass es weniger Kinder gibt. Die Zahlen dürften sich seit der Flüchtlingskrise noch einmal verändert haben, weil etwa viele neue Lehrer eingestellt wurden.

Umgekehrt sind die Ausgaben für die Unis auch gestiegen, weil aber die Zahl der Studierenden zunimmt, gibt es pro Lernendem weniger Geld. Noch ein Kritikpunkt der OECD: Deutschland gibt im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt immer noch weniger für die Bildung aus als der Durchschnitt der OECD-Staaten.

Lehrer

Zumindest die Lehrer der weiterführenden Schulen werden im internationalen Vergleich gut bezahlt. Das heißt, der Beruf kann kluge Leute anlocken. Und Lehrer bleiben Lehrer. Deshalb sind sie in Deutschland allerdings ziemlich alt. Das Problem dabei: Altwerden lohnt sich in diesem Beruf mehr als Leistung. Das Gehalt steigt nämlich meist nur mit den Jahren, nicht mit besonderen Herausforderungen oder Leistungen. Zugleich haben Lehrer weniger Karrieremöglichkeiten und können sich seltener spezielle Aufgaben suchen als in anderen Ländern.

Sie werden auch im Vergleich zu anderen OECD-Staaten oft allein gelassen. So unterrichten sie laut Bericht etwa am Gymnasium 714 Stunden im Jahr. Japanische Lehrer müssen nur 513 Stunden unterrichten. Sie haben mehr Zeit, sich fortzubilden, ihren Unterricht gemeinsam vor- und nachzubereiten und ihre Kollegen im Unterricht zu besuchen. Priorität hat die Qualität des Unterrichts, nicht die Klassengröße.

Integration und Chancengleichheit

Wenn auch deutsche Lehrer mehr Zeit außerhalb des eigentlichen Unterrichts hätten, könnten sie sich möglicherweise einzelnen Schülern mit Schwierigkeiten besser widmen. In diesem Punkt steckt das immer gleiche, aber besonders große Aber der Bildungsberichte vergangener Jahre:

Integration und Chancengleichheit gelingen im deutschen Bildungssystem nicht gut. Die Zahl der Geringqualifizierten bleibt konstant bei 13 Prozent. Besonders betroffen sind weiterhin Migranten und deren Kinder, wenn die Eltern selbst nicht gut gebildet sind. Interessant für die Zukunft mit den vielen Flüchtlingskindern: Migranten haben eine besonders gute Prognose, in der Schule erfolgreich zu sein, wenn sie vor dem sechsten Lebensjahr ankommen.

Kindergärten

In Deutschland besucht fast jedes vier- und fünfjährige Kind eine Kita – das ist überdurchschnittlich gut in der OECD. Der Betreuungsschlüssel ist ebenfalls vergleichsweise gut. Und frühkindliche Bildung ist das, was der Integration und Chancengleichheit von Kindern aus weniger gebildeten Familien laut OECD am zuträglichsten ist.

Trotzdem gibt es auch hier ein großes Aber. Während in Deutschland Universitäten überdurchschnittlich stark aus öffentlichen Mitteln bezahlt werden, ist alles, was vor der Schule kommt, größtenteils Privatsache. Viele Kitaträger sind kirchlich oder privat, die Eltern müssen zahlen. 

Im OECD-Schnitt ist frühkindliche Bildung zu fast 70 Prozent in öffentlicher Hand, in Deutschland besuchen jedoch nur 35 Prozent der Kinder öffentliche Vorschuleinrichtungen. Obwohl die Bildung dort so viel Wirkung zeigt, wird sie hierzulande immer noch nicht so ernst genommen wie an Schulen oder Unis.

Berlin - Wie Flüchtlingskinder in der Schule Fuß fassen Mehr als 11.000 Flüchtlingskinder besuchen in Berlin Willkommensklassen. ZEIT ONLINE hat eine kleine Gruppe von ihnen an einem Schultag begleitet. © Foto: Zeit Online