Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, fordert alle Schulen auf, mehr gegen sexuellen Missbrauch zu tun. Sie sollen auch besser über Gefahren durch moderne Medien aufklären, sagte Rörig im ZDF-Morgenmagazin. Das sei das Ziel seiner neuen Initiative Schule gegen sexuelle Gewalt, die er zusammen mit den Bundesländern gestartet hat.

"Schulen stehen nicht unter Generalverdacht, aber Schulen können gefährliche Orte sein", sagte der Missbrauchsbeauftragte. "Wir müssen davon ausgehen, dass in jeder Schulklasse mindestens ein bis zwei Kinder sind, die sexuelle Gewalt erlebt haben oder aktuell erleben." 2015 habe es 12.000 Anzeigen gegeben, aber inklusive einer hohen Dunkelziffer "müssen wir davon ausgehen, dass es bis zu 100.000 Fälle gibt". Das Thema müsse an jeder Schule offen angesprochen werden: "Schweigen hilft nur den Tätern. Schülerinnen und Schüler müssen an jeder Schule vertrauensvolle Ansprechpersonen finden."

Besonders wichtig sei es, Schüler, Lehrer und Eltern über die Gefahren aufzuklären, die über die von Schülern genutzten Medien ausgingen: "Sie müssen zum Beispiel wissen, was Sexting ist und wie sie sich davor schützen können." Experten warnen davor, dass Kinder beim sogenannten Sexting von Gleichaltrigen und auch von Erwachsenen ausgenutzt werden. Sie werden dabei aufgefordert, Nacktbilder von sich über ihre Smartphones zu verschicken. Wenn die Bilder durch andere in die Öffentlichkeit geraten, kann dies für die Betroffenen sehr belastend sein.

Das Thema Missbrauch müsse auch ins Schulprogramm aufgenommen werden, forderte Rörig weiter. Erschwert werden dürfte die konkrete praktische Arbeit aber dadurch, dass viele Schulen Handyverbote in ihren Schulordnungen verankert haben. 

Rörig hat im Zuge der Initiative Schule gegen sexuelle Gewalt ein Informationsportal erstellen lassen, das Schulen über die Gefahren und die Möglichkeiten der Prävention informiert. Rörig äußerte sich im ZDF erfreut darüber, dass sich alle 16 Bundesländer daran beteiligt haben. Zudem gibt es Broschüren und Aktionen, die allen Schulen helfen sollen, das Thema aufzugreifen und Kinder besser zu schützen.