Die deutschen 15-jährigen Schüler haben sich wieder wacker geschlagen und liegen im internationalen Vergleich mit ihren Leistungen im Lesen, in der Mathematik und den Naturwissenschaften weiter deutlich über dem Durchschnitt, ungefähr auf dem gleichen Rangplatz wie bei der letzten Runde im Jahr 2012. Man hätte sich mehr gewünscht, eine Steigerung wie sie bislang von Studie zu Studie gemessen wurde. Aber dass sich Deutschland im oberen Tabellenbereich – wenn auch nicht ganz an der Spitze – hält, das ist eine gute Nachricht.

Die schlechte Nachricht: Man weiß gar nicht genau, ob die deutschen Schüler im Vergleich zu 2012 besser oder schlechter geworden sind. Denn die Pisa-Forscher haben dieses Mal anders getestet. Bislang mussten die Schüler die Aufgaben mit Papier und Bleistift lösen, dieses Mal am Computer. Dass deutsche Schüler sich damit schwerer tun als andere, ist belegt. Die Testung am Computer macht es möglich, dynamische und interaktive Aufgaben zu stellen. Auch das ist eine Veränderung. An insgesamt acht Schrauben wurde gedreht, um die Pisa-Studie zu modernisieren. Das widerspricht einer wissenschaftlichen Leitlinie: Wenn du Veränderung messen willst, dann verändere nicht die Messung, lautet sie.

Die Modernisierung der Pisa-Studie ist trotzdem nötig und sinnvoll. Denn die Computer sind zum Alltagsmedium nicht nur der Jugendlichen geworden. Und sie erlauben intelligentere und vielfältigere Tests. Man hätte aber parallel dazu testen müssen, welche Effekte sie in den einzelnen Staaten hat. Das wurde versäumt.

Pisa muss auch Politikern die Informationen liefern, die sie brauchen

Ein schwerer Fehler, wie sich jetzt zeigt. Denn eine derart bedeutende Untersuchung wie Pisa muss nicht nur wissenschaftlichen Ansprüchen genügen, sondern auch den Politikern und der Öffentlichkeit, die die ganze Veranstaltung finanzieren, die Informationen geben, die sie brauchen. Und dazu gehört die Antwort auf die Frage, ob die Schülerinnen und Schüler denn nun besser oder schlechter geworden sind.

Zum Glück erwischt die neue Pisa-Studie unsere Schulen in einem Moment, in dem sie vergleichsweise gut dastehen. Zum Glück kann man nach der nun erfolgten Umstellung auf computerbasierte Testung 2018 wieder Leistungstrends messen. Und zum Glück ist die Pisa-Studie hierzulande nicht mehr das einzige Testinstrument, über das die Kultusminister verfügen, um Stärken und Schwächen der Schüler festzustellen.

Die Pisa-Forscher haben also Glück gehabt. Sonst würde ihnen die Studie jetzt um die Ohren fliegen. Es sollte ihnen eine Mahnung sein, künftig bescheidener und selbstkritischer aufzutreten. Dann kann Pisa weiterhin wichtige Impulse für die Bildungspolitik geben.