Pisa-Koordinator Schleicher sagt, es habe sich trotzdem herausgestellt, dass Vielfalt im Klassenzimmer die sozialen Kompetenzen eher fördert. Die Einstellungen zu Gruppenarbeit seien umso positiver, desto heterogener die Klasse sei. Die Schüler können auch zum Beispiel besser zuhören und die Leistungen anderer wertschätzen.

Der Erfolg der japanischen Jugendlichen lässt sich damit nicht erklären, denn die Gesellschaft ist dort noch sehr homogen. Allerdings wird in japanischen Schulen traditionell viel im Team gearbeitet. Nicht nur im Unterricht: Die Schüler würden mit dem Lehrer nach der Schule den Klassenraum sauber machen und mittags gemeinsam kochen, erzählt Schleicher. Deshalb sei das Ergebnis nicht verwunderlich.

Als 2012 in der Pisa-Studie zum ersten Mal getestet wurde, wie gut die Schüler individuell Probleme lösen, lagen die Jungen vor den Mädchen. Teamarbeit liegt jedoch weltweit den Jungen deutlich weniger als den Mädchen. Die Schülerinnen in Deutschland erreichen 30 Punkte mehr als die Jungen (das ist ein Schuljahr Unterschied). Mädchen sind nicht nur kompetenter, sie halten die Beziehungen zu anderen auch für viel wichtiger als die Jungen. Sie hören gerne anderen zu, sie freuen sich über den Erfolg von Klassenkameraden und interessieren sich dafür, verschiedene Perspektiven kennenzulernen.

Mehr Sport, mehr Experimente

Immerhin gut die Hälfte der deutschen Lehrer gab in der Studie an, mindestens einmal in der Woche Gruppenarbeiten in den Unterricht einzubauen – damit liegen die deutschen Schulen auch über dem internationalen Durchschnitt. Die Koordinatorin des deutschen Teils der PISA-Studie Kristina Reiss sagt, Schulen sollten trotzdem "ein stärkeres Augenmerk auf das Fünftel der Schülerinnen und Schüler legen, das es kaum schafft, komplexe Probleme zusammen mit anderen zu lösen." Denn nach der Schule komme man ohne soziale Kompetenzen nicht mehr aus. Viele Aufgaben seien einfach nicht mehr alleine zu bewältigen, schon allein weil es oft keine Routinen mehr gebe.

Zum Beispiel durch mehr Sport. Schleicher sagt, dort wo Schüler viel Sport trieben, hätten sie häufiger auch eine positive Einstellung zur Teamarbeit. Andere wahrzunehmen und zuzuhören könne man jedoch in allen Fächern üben. Es lohnt sich sicher, Japan zum Vorbild zu nehmen und im Klassenzimmer noch mehr Raum fürs Experimentieren, für Gruppenarbeit zu schaffen und die Schüler zu ermutigen, Ideen zu artikulieren und mit anderen zu besprechen. Das gelingt verständlicherweise besser in einer positiven Schulkultur, dort wo Schüler in der Gruppenarbeit keine Angst haben müssen, von anderen Schülern gemobbt oder von Lehrer herabgewürdigt zu werden. Auch das hat die Studie gezeigt.

Auch das Verhalten der Eltern habe laut Schleicher einen großen Einfluss auf die sozialen Kompetenzen ihrer Kinder.  Schüler schnitten besser ab, wenn die Eltern mit den Lehrern Kontakt hielten und mit ihren Kindern über die Schule redeten. Offensichtlich sei in Sachen Teamfähigkeit das Interesse der Eltern wichtiger als ihr Schulabschluss.