Das Evangelische Schulzentrum Martinschule in Greifswald gewinnt den mit 100.000 Euro dotierten Deutschen Schulpreis 2018. Fünf weitere Preise in Höhe von je 25.000 Euro erhalten die Gesamtschule Bremen Ost, die Franz-Leuninger-Schule in Mengerskirchen, die Integrierte Gesamtschule Hannover-List, das Annette-von-Droste-Hülshoff-Gymnasium in Münster und die Matthias-Claudius-Schule in Bochum.

Die Auszeichnungen überreichte Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) in Berlin und würdigte die Preisträger als "ein Beispiel dafür, wie gute Schule mit überzeugenden Konzepten gelingen kann". Deutschland brauche solche ausgezeichneten Schulen, um Kindern und Jugendlichen die bestmöglichen Bildungschancen zu bieten. In Zusammenarbeit mit den Bundesländern arbeite auch die Bundesregierung daran. Karliczek nannte die Errichtung eines Nationalen Bildungsrates, eine bessere Lehrerbildung sowie das Programm DigitalPakt Schule für eine zunehmende Digitalisierung als beispielhafte Maßnahmen. "Hier können wir einen guten Schritt vorankommen", sagte die CDU-Politikerin.

Jeder macht einen Abschluss

Das Evangelische Schulzentrum Martinschule in Greifswald liegt in einer Plattenbausiedlung, in der vor allem Rentner, Studenten, Geringverdiener und Menschen mit Migrationshintergrund leben. Hier öffnete vor 25 Jahren die "Schule für geistig Behinderte", die sich zunächst zur inklusiven Grundschule entwickelte und dann erweitert wurde durch eine integrierte Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe.

Gegenwärtig hat fast die Hälfte der 550 Schülerinnen und Schüler sonderpädagogischen Förderbedarf – ein Wert, der weit über dem mecklenburg-vorpommerischen Landesdurchschnitt von 10,8 Prozent für das Schuljahr 2015/16 liegt. Parallel sind an der Martinschule die Ergebnisse, etwa der zentralen Abiturklausuren und die Abschlussergebnisse der mittleren Reife, seit Jahren besser als der Landesdurchschnitt. Jede Schülerin und jeder Schüler verlässt die Martinschule mit einem Abschluss – für Jugendliche mit Handicap, die an anderen Schulen häufig kein Zeugnis erhalten, gibt es einen schulinternen "Abschluss".

"Inklusion ist anstrengend, aber sie lohnt sich"

An der Martinschule lernen Kinder bis zur siebten Klasse mit denselben Lehrkräften in einer kleinen Stammgruppe, auf Ziffernnoten wird bis zur neunten Klasse verzichtet. Daneben profitieren die Jugendlichen vom besonderen jahrgangsübergreifenden Lernkonzept, das sie zum Ende der Schulzeit auf einen möglichst autonomen Lebensalltag und eine berufliche Integration vorbereitet: In der Schülerfirma Häppchen & Co lernen sie den Umgang mit Geld und Lebensmitteln, im Projekt "Wohnungstraining" wird in einer angemieteten Wohnung für die eigene Selbstständigkeit geübt.

Die Jury überzeugte – neben der alltäglichen Arbeit der Lehrerinnen und Lehrer – vor allem der unbedingte Wille, das "Anderssein" der Kinder und Jugendlichen radikal zu akzeptieren und wertzuschätzen. "Inklusion ist anstrengend, aber sie lohnt sich", sagte der Sprecher der Schulpreisjury, Michael Schratz. "Während manche die Inklusion für gescheitert erklären, beweist die Martinschule mit ihrem außergewöhnlichen Inklusionsmodell das Gegenteil: Hier lernen alle Kinder und Jugendlichen erfolgreich unter einem Dach – ganz gleich ob mit oder ohne Handicap, Förderbedarf oder besonderer Begabung. Wir brauchen solche Schulen, die davor nicht zurückschrecken und dieser Herausforderung mit guten Konzepten begegnen".

Der Deutsche Schulpreis ist eine Initiative der Robert Bosch Stiftung und der Heidehof Stiftung. Gemeinsam mit der Deutschen Schulakademie haben sie das Deutsche Schulportal gestartet. Kooperationspartner bei Preis und Portal ist die ZEIT-Verlagsgruppe.