An etwa jeder dritten Grundschule in Deutschland sind Lehrkräfte in den vergangenen fünf Jahren körperlich angegriffen worden. Das berichten die Schulleitungen laut einer Forsa-Umfrage, die der Verband Bildung und Erziehung in Auftrag gab. Über alle Schulformen hinweg schildert jede vierte Schulleitung Fälle körperlicher Gewalt gegen Lehrkräfte.

2016 hatte dasselbe Institut Lehrerinnen und Lehrer direkt befragt: Schon damals zeigte sich, dass die Fallzahl an Grundschulen am höchsten ist. Zwölf Prozent der Lehrer gaben an, körperlich attackiert worden zu sein. An Haupt-, Real- und Gesamtschulen war der Anteil deutlich geringer, an Gymnasien verschwindend gering. In Deutschland gibt es etwa 15.000 Grundschulen – damit ist auch die absolute Zahl der Vorfälle dort am höchsten. Haupt-, Real- und Gesamtschulen gibt es 6.600.

Die Häufigkeit von beobachteten Gewaltvorfällen hat sich den Umfragen nach kaum geändert – sofern sich die Wahrnehmung von Lehrkräften und Schulleitungen vergleichen lässt: 2016 sagten 21 Prozent der Lehrkräfte über ihre Schulen, dass dort in den vergangenen fünf Jahren körperliche Gewalt gegen Lehrkräfte angewendet wurde. In der neuen Umfrage gab dies von den befragten Schulleitungen ein Viertel (26 Prozent) an.

Im Bundesdurchschnitt waren laut der Umfrage von 2016 insgesamt sechs Prozent der Lehrer direktes Ziel von Gewalt – in absoluten Zahlen sind das 117. Mit acht Prozent lag die Quote in NRW am höchsten, in Bayern und Baden-Württemberg mit vier Prozent am niedrigsten. Fast immer ging die Gewalt laut Umfrage von Schülern aus. Wie sich diese Zahlen bis 2018 entwickelt haben, lässt sich aus der Befragung der Schulleitungen nicht ableiten.

Befragt hatte Forsa für die jüngste Erhebung 1.200 Schulleiterinnen und Schulleiter per Telefon. Vor zwei Jahren interviewten die Demoskopen 1.951 Lehrer, darunter jeweils 500 in NRW, Bayern und Baden-Württemberg. Beide Umfragen sind den Angaben zufolge repräsentativ. Die Fehlertoleranz gibt Forsa allerdings mit plus/minus drei Prozent an, wodurch sich die Ergebnisse aus den drei hauptbeteiligten Bundesländern nicht ohne Weiteres auf Gesamtdeutschland beziehen lassen.

Aus der Tabuzone geholt

Fälle psychischer Gewalt, bei denen Lehrkräfte direkt beschimpft, bedroht, beleidigt, gemobbt oder belästigt wurden, sind wesentlich häufiger als körperliche Angriffe. Die Hälfte aller befragten Schulleitungen bestätigte solche Vorfälle für die vergangenen fünf Jahre. Unter den Schularten stehen hier mit 59 Prozent die Haupt-, Real- und Gesamtschulen im Vordergrund, gefolgt von den Grundschulen. Fälle von Mobbing, Diffamierung und Belästigung über das Internet gab es laut Studie an jeder fünften Schule.

Mit der ersten Umfrage 2016 habe der Lehrerverband das Thema Gewalt gegen Lehrkräfte "aus der Tabuzone geholt", sagt Udo Beckmann, Vorsitzender der Lehrergewerkschaft. Er forderte die Kultusministerien auf, sich des Themas endlich anzunehmen und öffentliche Statistiken einzuführen. "Nur wenn das Ausmaß für die Ministerien greifbar wird, werden sie die angemessenen Maßnahmen umsetzen, um Lehrkräfte besser zu schützen", sagt Beckmann.