In Bayern hat die Bundespolizei Jagd auf Schulschwänzer gemacht. Rund 20 Familien mit schulpflichtigen Kindern hat sie an Flughäfen erwischt, die die günstigeren Flüge vor den Ferien gebucht haben. Die Eltern wurden angezeigt, sie müssen mit einem Bußgeld rechnen. Die Kosten fürs Schulschwänzen können je nach Bundesland, Stadt oder Kommune unterschiedlich hoch ausfallen – von ein paar Euro pro Tag bis zu über 1.000 Euro, wenn ein Kind wiederholt nicht zur Schule kommt.

Nun hat die bayerische Polizei ihre Aktion besonders öffentlich gemacht, aber neu sind solche Kontrollen nicht. Vor allem vor und nach den Sommerferien wird auch andernorts zumindest davor gewarnt, dass die Polizei nach Kindern Ausschau hält, die eigentlich in der Schule sein müssten.

Großfamilien und Patchworkfamilien in Not

Die Frage stellt sich: Hat die Polizei nichts Besseres zu tun? Lesen wir nicht allenthalben von Personalmangel und Stress? Zumal kurz vor den Ferien im Klassenzimmer sowieso nur noch Filme laufen?  Was ist mit denen, die dem Stau entrinnen wollten und deshalb schon im Auto saßen – werden demnächst Straßensperren eingerichtet, um noch mehr sündige Familien aufzuspüren?

Was ist mit der Großfamilie, die es sich einfach nicht leisten kann, die Flüge für alle Kinder zu Ferienpreisen zu bezahlen, um etwa Familie im Ausland zu besuchen? Außer den wirklich horrenden Preisunterschieden für Flugreisen und dem Stau gibt es auch andere Gründe, ein bisschen beim Ferienbeginn und -ende zu mogeln. Patchworkfamilien etwa. Eine Familie in Hamburg, der Vater hat Kinder aus einer vergangenen Beziehung in München – die Ferien überschneiden sich oft gar nicht oder nur für wenige Tage. Wenn die Familie mit allen Kindern Urlaub machen will, erfindet sie eben ab und zu eine Krankheit. Notwehr, könnte man sagen.

Denn rund um die Sommerferien gilt in manchen Bundesländern sogar ein Beurlaubungsverbot, sodass der Schulleiter nicht einmal für die Not der Patchworkfamilie, eine Konzertreise oder den 100. Geburtstag der Oma, ein Kind vom Unterricht befreien darf. Das erlauben Schulleiter nämlich ansonsten schon mal. Ausgerechnet vor den Ferien müssen sie mancherorts besonders streng sein.

Schulpflicht ist eine sinnvolle Pflicht

Also sollten die Schulbehörden und Polizei einfach wegschauen und kurz vor und nach den Ferien Schulpflicht Schulfreiheit sein lassen?

Ohne Zweifel spricht viel für die strikte Einhaltung der Schulpflicht. Denn auch die lauen Tage vor den Ferien, an denen die Klasse in den Park geht oder einen Film schaut, sind wertvoll für ihr soziales Miteinander. Die Schulpflicht ist vor allem aber eine höchst sinnvolle Pflicht, denn sie sorgt dafür, dass alle Kinder zumindest theoretisch die gleiche Bildung erhalten können, unabhängig etwa von ideologischen Überzeugungen oder dem Interesse oder Desinteresse der Eltern am Fortkommen ihrer Kinder.

Das stillschweigende Aufweichen zu Ferienbeginn könnte zu Missbrauch auch unterm Schuljahr führen. Eine Mutter lässt ihr Kind zu Hause, weil sie zu verkatert ist, um aufzustehen. Oder Eltern wollen aus religiösen oder ideologischen Gründen nicht, dass das Kind am Sportfest teilnimmt oder am Deutschunterricht, wenn ein unliebiges Buch gelesen wird. Schwer zu argumentieren, dass sie das nicht machen sollen, wenn andere es wegen eines Billigflugs stillschweigend dürfen. In diesen Fällen ist es gut, dass Schulpflicht einfach Schulpflicht ist – und im schlimmsten Fall von der Polizei durchgesetzt wird.

Aber wie wäre es mit etwas mehr Flexibilität explizit für die Ferien? Fünf Tage der Ferien dürfen alle Familien selbst verteilen, der Rest ist für alle fix? Ohne Zweifel ziemlich viel Organisationsaufwand für die Schulen. Aber viele Familien hätten wenigstens etwas Freiheit gewonnen.

Schreiben Sie uns unten in den Kommentaren, wie Sie es machen. Haben Sie schon mal eine Krankmeldung für Ihre Kinder erfunden? Oder den Schulleiter kurz vor den Ferien um Befreiung gebeten? Oder finden Sie die Aktion der bayerischen Bundespolizei sinnvoll und vorbildlich?