Ein kleines Einfamilienhaus auf dem Land oder eine Eigentumswohnung in der Stadt – etwa 275.000 Euro weniger verdienen angestellte Lehrerkräfte im Laufe ihres Arbeitslebens als die Kollegen mit Beamtenstatus. Das besagt eine neue Studie. In der monatlichen Abrechnung bekommen angestellte Lehrer im Schnitt 500 Euro weniger Gehalt als die Beamten. Der Verdienstunterschied kann je nach Bundesland und Schulform sogar noch höher ausfallen.

In Bayern werden fast nur Vertretungslehrer angestellt, alle anderen werden wie seit jeher verbeamtet. Die ostdeutschen Bundesländer haben nach der Wende die Lehrer meist nur angestellt, ändern diese Praxis jetzt jedoch wegen des Lehrermangels teilweise wieder. In Mecklenburg-Vorpommern etwa werden nun wieder alle Lehrer verbeamtet. Dafür stellt Berlin Lehrer nur noch an.

Zurzeit sind gut 200.000 der insgesamt mehr als 800.000 Lehrerinnen und Lehrer in Deutschland ohne Beamtenstatus. Sie bekommen für gleiche Arbeit ungleichen Lohn. Das ist willkürlich – und ungerecht. Denn wer als Lehrer arbeitet, macht in der Regel mehr als nur einen Job: Lehrer erziehen die Kinder, sie bereiten sie auf die Zukunft vor, sie sind oft wichtige Vorbilder oder wenigstens Menschen, an und mit denen sich Jugendliche auseinandersetzen und streiten können. Nicht selten sind Lehrerinnen und Lehrer neben den Eltern die wichtigsten Bezugspersonen im Leben eines Kindes.

Und es gibt zu wenige von ihnen. Auch wegen der großen Gehaltsunterschiede wollen zu wenige junge Menschen den Beruf ergreifen. Als Berufsanfängerinnen und -anfänger müssen sie in der Regel als Angestellte in den Schuldienst starten und oftmals befristete Verträge ohne Sicherheit hinnehmen. Studien zeigen: Würden wieder alle Lehrer verbeamtet, könnte der Beruf insgesamt wieder attraktiver werden. Denn mit dem Beamtenstatus verbunden sind viele Vorteile, zum Beispiel die Anstellung auf Lebenszeit. Und so werben Bundesländer, die einen Beamtenstatus bieten, Lehrer aus anderen Ländern ab.

Dass Lehrerinnen und Lehrer heute überhaupt als Angestellte tätig sind, sollte Kosten sparen. Politisch gewollt war außerdem ein "schlanker Staat" mit wenigen Beamtinnen und Beamten. Aber nicht nur Lehrer fehlen, sondern etwa auch Polizisten. Dieser Mangel zeigt: Der Staat ist heute fast schon etwas zu schlank.

Angestellte sind nicht billiger

Außerdem sind Angestellte für den Staat gar nicht unbedingt billiger. Denn durch angestellte Lehrerinnen und Lehrer spart der Staat nichts, er verteilt die Ausgaben nur anders. Schließlich fallen für sie Lohnnebenkosten von gut 26 bis 30 Prozent des Bruttolohns an, für Beamte nicht. Die Angestellten zahlen selbst auch in die Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung ein. Vor allem deshalb haben sie am Ende des Monats netto weniger Geld als ihre verbeamteten Kollegen. Würden die 200.000 angestellten Lehrerinnen und Lehrer auch verbeamtet, würden ihre Beiträge in den Sozialversicherungen zwar fehlen – doch die Summe ist angesichts von mehr als 32 Millionen sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnissen vernachlässigbar.

Der Staat würde sich durch eine generelle Verbeamtung von Lehrern noch einen Vorteil verschaffen: Für Beamtinnen und Beamte – das wurde jüngst höchstrichterlich bestätigt – gilt das Streikverbot. Angestellte Lehrerinnen und Lehrer hingegen dürfen die Arbeit niederlegen und tun das auch. Auf Kosten der Schüler, deren Unterricht ohnehin schon häufig ausfällt.

Und noch ein Argument gibt es: Es wäre ein gutes Zeichen, wenn der Staat in Gerechtigkeitsfragen als gutes Beispiel voranginge. Zum Start könnte er gleiche Bedingungen für alle Lehrerinnen und Lehrern schaffen – auch als Mahnung an die Wirtschaft, wo Tarifflucht, Leiharbeit und ungleiche Gehälter zwischen Männern und Frauen leider noch weit verbreitet sind.

Den Spielraum, Lehrer wieder zu verbeamten, haben die Länder schon heute. Einige nutzen ihn. Die anderen Länder sollten folgen.