In einigen Bundesländern enden in diesen Tagen die Sommerferien. Viele Schüler kehren in Schulen zurück, in denen der Putz von den Wänden bröckelt oder Dächer einsturzgefährdet sind. Denn viele Bildungseinrichtungen in Deutschland müssen schon seit Jahren dringend saniert werden. Gleichzeitig planen einige Städte neue Schulen zu bauen, weil mehr Kinder geboren werden, Flüchtlingsfamilien eingewandert sind und Ganztagsschulplätze geschaffen werden müssen. Allein Berlin wolle 70 Schulen bis 2025 neu bauen, sagt die Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Marlis Tepe. Zudem gehört der Stadtstaat zu den Bundesländern, in denen der Sanierungsstau besonders groß ist.

Bundesweit erhöhte sich laut den jüngsten Ergebnissen des KfW-Kommunalpanels der Investitionsrückstand der deutschen Kommunen in den Bildungseinrichtungen auf 47,7 Milliarden Euro. Im Vergleich zur Vorjahreserhebung bedeutet das einen Anstieg um 50 Prozent. Damals wurden die Defizite im Bereich Schulen und Erwachsenenbildung auf 32,8 Milliarden Euro beziffert.

"Baracken der Bildung"

"Viele Schulen sind keine Kathedralen, sondern vielmehr Baracken der Bildung", sagt der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, Gerd Landsberg. Und sein Kollege vom Deutschen Städtetag, Helmut Dedy, fügt hinzu: "Viele wachsende Städte können gar nicht so schnell neue Kitas und Schulen bauen, wie sie das selbst gern möchten." In den Planungsbüros, den Verwaltungen und bei der Bauwirtschaft fehle es an Personal – und in vielen Gemeinden schlicht an Geld.

Landsberg und Dedy fordern deswegen mehr Unterstützung von Bund und Ländern. Die NRW-Landesregierung etwa brachte im Herbst 2016 das Programm "Gute Schule 2020" auf den Weg. Dort können Städte und Gemeinden Kredite für die Sanierung und Modernisierung von Schulen abrufen. Allerdings wurden von den 500 Millionen Euro, die für das Jahr 2017 zur Verfügung standen, erst 267,8 Millionen Euro zur Verfügung gestellt (Stand 30. Juni). Zu viel Bürokratie, lautet eine der Begründungen.

Bei der Kultusministerkonferenz heißt es, Bau oder Sanierung von Schulen seien allein Angelegenheit des Schulträgers, also der Kommunen oder der privaten Träger. Es sei deshalb "kein Koordinierungsthema". Die GEW-Vorsitzende Tepe kommentiert: "Dabei bräuchte es eigentlich einen breiten Schulterschluss zwischen Bund, Ländern und Gemeinden, um zu verhindern, dass wir beim Thema Bildung in einen kompletten Notstand hineinlaufen." 

3,5 Milliarden Euro von der Bundesregierung

Die Bundesregierung stellte schon im Frühjahr 2017 zusätzliche 3,5 Milliarden Euro für die Schulsanierung bereit. Das sei aber viel zu wenig, sagte der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger. Für die Lehrer zähle der Sanierungsstau an den Schulen zu den größten Aufregerthemen – neben Lehrermangel, Unterrichtsausfall und Arbeitsbelastung.

"Massive Investitionen" in den Neubau und die Sanierung von Schulen fordert auch der Verband Bildung und Erziehung (VBE)."Ob Bildung gelingt, das heißt, ob Ganztag flächendeckend erfolgreich wird, ob wir Schule als einen Ort individueller Förderung etablieren, ob wir Inklusion leben, ob wir den digitalen Anschluss bewältigen, all das und noch mehr hängt ganz entscheidend von der Qualität der Schulgebäude ab", sagt der VBE-Bundesvorsitzende Udo Beckmann.

Derzeit jedoch, beklagt die GEW-Vorsitzende Tepe, fehle es an Planung und Weitsicht. Für die Neubauten bevorzugten viele Kommunen immer noch "das alte Flurmodell mit Klassenzimmern links und rechts der Gänge". Das werde den Anforderungen an einen modernen Unterricht kaum gerecht. Die Sanierung von Altbauten stocke oftmals, "weil die Baufirma pleite gegangen ist und sich niemand um die Fortsetzung der Arbeit kümmert. Oder ein Baugerüst einfach stehen bleibt, weil es niemand abholt."