#MeToo im Unterricht? Ungleiche Bezahlung? Machtmissbrauch? Das ifo-Bildungsbarometer 2018 hat 4.000 Erwachsene und 1.000 Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren nach Geschlechterthemen und Gleichstellung in der Bildung befragt. Die Ergebnisse zeigen: Schülerinnen wie Erwachsene sind offen für Diskussionen – auch über Sexualität und sexuelle Gewalt – allerdings nicht für einen gleichberechtigten Lebensstil. 

Wie die Umfrage zeigt, hält die Mehrheit der Befragten die #MeToo-Debatte für wichtig und richtig – wie zu erwarten sind es mehr Frauen als Männer. 45 Prozent der Frauen und 30 Prozent der Männer sehen sexuelle Belästigung in Deutschland als ernsthaftes Problem an. Immerhin über drei Viertel der Männer und Frauen finden, dass im Schulunterricht Themen wie Gleichstellung, Gewalt gegen Frauen und sexuelle Belästigung behandelt werden sollen – und zwar auch schon an der Grundschule. Auch die Jugendlichen wollen #MeToo im Unterricht. Auch wenn über sexuelle Belästigung deutlich mehr Mädchen reden wollen als Jungen. Vielleicht ein guter Hinweis darauf, wie wichtig es ist, sie für das Thema spätestens in diesem Alter zu sensibilisieren. 

Generell sind die Deutschen aufgeschlossen, wenn es um Sexualität im Unterricht geht. Sexualkunde solle in der Grundschule und in der weiterführenden Schule stattfinden, nur für den Kindergarten findet sich noch keine Mehrheit der Erwachsenen. Lautstarke Elternproteste, wenn in der Schule etwa über Toleranz gegenüber Homosexuellen gesprochen werden soll, spiegeln nicht die Mehrheitsmeinung wider. Sexuelle Vielfalt soll im Unterricht thematisiert werden, sagen viele der Befragten. Was die Studie nicht beantwortet: Wie verbindlich und in welchen Fächern Geschlechtergerechtigkeit und sexuelle Belästigung besprochen werden sollten.

Mütter sollen Teilzeit arbeiten

Erstaunlich wenig offen sind die Deutschen laut ifo-Bildungsbarometer hingegen, wenn es darum geht, traditionelle Familienmodelle aufzubrechen. Ein Grund, warum Frauen weniger verdienen als Männer, ist, dass sie öfter Teilzeit arbeiten und damit seltener in anspruchsvolle Jobs oder Führungsrollen hineinfinden. Aber deutlich mehr als die Hälfte der Befragten (65 Prozent der Männer und 64 Prozent der Frauen) finden, dass Mütter weniger als 20 Stunden in der Woche arbeiten sollten, wenn ihre Kinder jünger als sechs Jahre sind. Männer sollten mehr als 30 Stunden arbeiten – das befürworten beide Geschlechter. 

Noch erstaunlicher ist, dass die Zahlen sich bei den Jugendlichen nicht wesentlich unterscheiden. Knapp 60 Prozent der Mädchen, aber nur knapp 20 Prozent der Jungen wollen später einmal höchstens 20 Stunden pro Woche arbeiten, wenn sie kleine Kinder haben. Etwa 40 Prozent der Mädchen, aber 80 Prozent der Jungen wollen mehr als 30 Stunden arbeiten. Viele Mädchen wollen sich ihren Wunschberuf unter anderem danach aussuchen, ob Teilzeit möglich ist. Jungen eher nicht. Leider wurde nicht danach gefragt, wie es mit einer Stundenzahl zwischen 25 und 35 aussieht. Vielleicht wäre das Ergebnis gleichmäßiger ausgefallen?