Manchmal entscheidet man sich für einen Partner nicht aus Liebe, sondern weil gerade kein besserer da ist. Nicht immer ist das verkehrt. Je nachdem, was das Ziel einer Beziehung ist, kann eine pragmatische Zusammenarbeit durchaus etwas für sich haben. Man schätzt sich von Anfang an realistisch ein.

Der Islamverband Ditib ist so ein Partner. Liebe war es nie, doch der größte deutsche (sunnitische) Islamverband war der Politik lange ein Partner: Ditib wurde 1984 in Köln gegründet und es gab immer wieder Momente, in denen man hoffen konnte, dass die Beziehung glücklich werden könnte. Doch in den letzten Jahren kriselte es immer offensichtlicher. Und seit diesem Wochenende ist die Partnerschaft in einem Zustand, den man nicht mehr schönreden kann.  

Vom Staatsbesuch in Berlin fuhr der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan am Samstag nach Köln, um dort seinen Parallelstaat zu besuchen. Der Anlass war die offizielle Einweihung einer Großmoschee, die doch eigentlich längst eröffnet ist. Die Ditib, die diese Moschee betreibt, hat das Event organisiert. Mit mehreren Pannen.

Zum Beispiel ließen die Verantwortlichen die Stadt Köln lange darüber im Unklaren, was genau an diesem Tag passieren soll. Die Kölner Oberbürgermeisterin sah sich schließlich kurzfristig gezwungen, ihre Teilname an der Eröffnung abzusagen. Denn Mittwoch, drei Tage vor dem Termin, wollte die Ditib ihr immer noch nicht zusagen, dass sie auch eine Ansprache halten dürfte. Auch das Sicherheitskonzept, das die Ditib der Polizei kurz zuvor erst vorlegte, war indiskutabel. Am Ende wurde die Veranstaltung zur Imageshow für Erdoğan und seine deutsche Außenstelle. Das kritisierten auch viele Deutsch-Türken

Kein Raum für liberale Stimmen

Die Ditib hat in Köln bewiesen, was sie von Transparenz, Offenheit und Dialog hält: nichts. Nun spielt die Ditib aber, wenige Kilometer den Rhein runter im Düsseldorfer Landtag, immer mal wieder auch eine wichtige Rolle in der Schulpolitik. Ausgerechnet an dem Ort, an dem junge Menschen Grundlegendes über Demokratie und Toleranz lernen sollen, bestimmt ein Verband mit, der einem autokratisch regierenden Präsidenten hörig ist. Es heißt, das Bundesamt für Verfassungsschutz prüfe, ob die Ditib-Zentrale in Köln geheimdienstlich beobachtet werden müsste. Aber sie mischen bei der Bildungspolitik mit. Wie passt das zusammen?   

Seit dem Schuljahr 2012/13 gibt es in Nordrhein-Westfalen islamischen Religionsunterricht. Er wird organisiert durch einen Beirat, in dem die Ditib eine wichtige Rolle spielt. Zu Anfang mag das sinnvoll gewesen sein, schließlich ist die Ditib der größte Islamverband in Deutschland. Doch in den Jahren der Zusammenarbeit hat sich gezeigt, dass die Ditib kein guter Partner ist. Nach dem Putschversuch in der Türkei stellte sich raus, dass die Ditib Informationen über vermeintliche Anhänger der Gülen-Bewegung an den türkischen Staat weitergeben hat.

Spätestens seit dieser Spitzelaffäre ist klar: Die Ditib ist eine türkische Organisation, keine deutsche. Auch sonst kriselt die Zusammenarbeit: Der Verband will liberaleren Stimmen keinen Raum geben. In Hessen ruht die Zusammenarbeit mit der Ditib beim islamischen Religionsunterricht, ebenso in NRW. In Baden-Württemberg arbeitet die Regierung an einem neuen Modell ohne Ditib. 

Es ist vorbei

Wäre das Verhalten der Ditib anlässlich des Erdoğan-Besuchs nicht ein guter Moment, um die Zusammenarbeit zwischen Politik und dem Verein komplett zu beenden? Was kann die Ditib jetzt noch tun, um zu beweisen, dass sie für Integration und Offenheit steht? 

In der Vergangenheit haben immer mal wieder einzelne Politiker versucht, Kooperationen mit der Ditib im Bildungsbereich einzustellen. Zuletzt die Junge Union im Juni in Hessen. Meist aber wird der Ditib dann noch eine neue Frist gesetzt. Aber der Moment für ein generelles Umdenken ist jetzt gekommen.

Am Montag hat die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Annette Widmann-Mauz (CDU), den Verband aufgefordert, sich von der türkischen Regierung zu lösen. "Wenn religiöse Verbände Teil von Deutschland werden wollen, müssen sie sich eigene Strukturen in Deutschland geben und können nicht Teil von Ankara bleiben", sagte sie.

So ist das manchmal bei Beziehungen. Man gibt sich eine Frist und noch eine Frist und fordert den anderen auf, das Verhalten zu ändern. Sich selbst zu ändern. Ehrlicher wäre es, wenn man einfach sagt: Es ist vorbei. Wir passen einfach nicht zueinander.