Die Kultusministerkonferenz stellt an diesem Donnerstag ihre Prognose zum Einstellungsbedarf von Lehrern vor. Wie das Redaktionsnetzwerk Deutschland vorab berichtete, rechnet die Kultusministerkonferenz bis 2030 mit einem durchschnittlichen Einstellungsbedarf von etwa 32.000 Lehrern pro Jahr. Laut der Prognose könnten Hunderte Lehrerstellen unbesetzt bleiben. Der Chef der Kultusministerkonferenz, Helmut Holter, hat sich deshalb dafür ausgesprochen, dass mehr Plätze in Lehramtsstudiengängen geschaffen werden. "Es müssen mehr Lehrer ausgebildet werden", sagte der Ressortchef Thüringens der Deutschen Presse-Agentur.

Einen Lehrermangel prognostiziert die Kultusministerkonferenz vor allem für Berufsschulen und solche, die eine sonderpädagogische Ausbildung erfordern. Aber auch an Grundschulen gebe es erhebliche Schwierigkeiten. Bei Gymnasiallehrern gebe es hingegen einen "deutlichen Bewerberüberhang". 

Auch regional bestünden große Unterschiede. Besonders dramatisch ist die Situation laut des Präsidenten des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, vor allem in den Stadtstaaten. Aber auch ostdeutsche Bundesländer seien stärker von dem drohenden Lehrermangel betroffen.

Das bestätigte auch Kultusministervorsitzende Holter. Einen Grund dafür sieht er in den Personalentwicklungskonzepten der 2000er-Jahre. Damals habe es einen Überhang gegeben, weswegen zu wenig Lehrer eingestellt worden seien.

Als Reaktion auf den aktuellen Lehrermangel würden Klassen vergrößert und Unterricht verkürzt, sagte Heinz-Peter Meidinger vom Deutschen Lehrerverband. Zudem würden die Länder versuchen, Pensionisten, Studenten oder Quereinsteiger für den Lehrerberuf zu gewinnen. "Drei von vier Neueinstellungen in Berlin in Grundschulen sind Seiteneinsteiger", sagte Meidinger. Viele würden nach einem einwöchigen Crashkurs an die Schulen geschickt.

Kultusminister diskutieren einheitliche Bildungsstandards

Der Vorsitzende der Kultusministerkonferenz Holter forderte daher eine gesamtdeutsche Lösung. Es sei wichtig, dass alle Bundesländer mitzögen. "Ansonsten bilden vielleicht wenige Länder aus und die anderen sind Nutznießer", sagte der Linken-Politiker. Zwar läge die Ausbildung von Lehrern in der Zuständigkeit der einzelnen Länder. "Aber alle haben eine gesamtdeutsche Verantwortung", sagte Holter.

Laut einer Prognose der Kultusministerkonferenz vom vergangenen Mai steht dem drohenden Lehrermangel eine steigende Schülerschaft gegenüber. Demnach steige die Zahl der Schüler in Deutschland bis 2030 um 278.000 auf 11,2 Millionen. Die Bildungsminister von Bund und Ländern wollen deshalb neben Konzepten für die Lehrerausbildung auch über einheitliche Bildungsstandards diskutieren. Mehrere Bundesländer fordern einen entsprechenden Staatsvertrag.