Viele Lehrer in Deutschland sind gegenüber dem Einsatz von digitalen Medien an Schulen skeptisch eingestellt: 49 Prozent der Schulleiterinnen und Schulleiter sind der Meinung, dass der Nutzen digitaler Medien überbewertet wird. Zudem habe die Hälfte der Lehrerinnen und Lehrer Vorbehalte gegen die Nutzung digitaler Medien, heißt es im Schulleitungsmonitor der Universität Essen-Duisburg im Auftrag der Wübben-Stiftung.

Der Schulleitungsmonitor ist der erste Versuch, die Wahrnehmungen und Bedürfnisse von Schulleiterinnen und Schulleitern in Deutschland systematisch zu erfassen. Für den Monitor wurden im Frühjahr 2018 insgesamt 1.471 Personen befragt. Die Ergebnisse der Studie sind nicht repräsentativ, geben aber einen Einblick in die Welt der Lehrenden.

Die Wübben-Stiftung, die sich vor allem für die Förderung benachteiligter Kinder einsetzen will, bewertet die Einstellung der Lehrenden zur Digitalisierung als Problem. "Dass der Schulleitungsmonitor diese Diskrepanz aufdeckt, halte ich für bedenklich, zeigt er doch, dass zu viele Schulleiterinnen und Schulleiter die Herausforderungen der Gegenwart nicht realisiert haben", sagte Hauptgeschäftsführer Markus Warnke der Rheinischen Post.

Persönlichkeit des Lehrers ist entscheidend

Dagegen sagte der Vorsitzende des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, die Lehrerschaft sei sich einig, eine bessere digitale Ausstattung der Schulen zu wollen. Die Schulen könnten sich bei der Digitalisierung nicht ausnehmen. Skepsis gebe es aber in der Frage, ob die Schüler durch digitale Stoffvermittlung besser abschnitten. "Entscheidend für den Lernerfolg bleibt die Persönlichkeit des Lehrers", sagte Meidinger.

Die Bundesregierung plant, gemeinsam mit den Ländern in ein schnelles Internet und kostenloses WLAN zu investieren. Das Digitalpaket Schule soll fünf Milliarden Euro beinhalten und am 1. Januar 2019 starten. Für die Umsetzung ist aber eine Grundgesetzänderung nötig. Das Kooperationsverbot muss gelockert werden, damit der Bund die Länder finanziell unterstützen kann. Dafür wird in Bundestag und Bundesrat jeweils eine Zweidrittelmehrheit benötigt, die Union und SPD aber nicht haben.