Bundesernährungsministerin Julia Klöckner will gesundes Schulessen künftig gezielter fördern. Die öffentlichen Mittel sollten "genau das fördern, was uns allen wichtig ist: gesundes Essen an Schulen", sagte die CDU-Politikerin den Zeitungen der Funke Mediengruppe und kündigte "konkrete Unterstützungsmaßnahmen" an. Dadurch sei es möglich, die Qualitätsstandards an allen Schulen zu garantieren.

Die Ministerin stützt sich dabei auf eine neue Studie der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) im Auftrag ihres Ressorts, die sie gemeinsam mit ihrem CDU-Kollegen, Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, in Berlin vorstellen will. Demnach fördert der Staat das Mittagessen in Schulkantinen jährlich mit insgesamt 1,2 Milliarden Euro. Klöckner zufolge wird das tägliche Schulessen zur Hälfte subventioniert. "Das ist eine enorme Leistung, die vielen Eltern und Verantwortlichen vielleicht gar nicht bewusst ist", sagte sie den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

In ihrer Studie zu Kosten- und Preisstrukturen in der Schulverpflegung (KuPS) ermittelten die Forscher der DGE Speisepläne, Lebensmittelpreise, Lieferkosten, Personalkosten und sonstige Betriebskosten im gesamten Bundesgebiet. Dazu wurden 1.072 Essensanbieter kontaktiert, außerdem 488 Schulträger aus allen 16 Bundesländern.

Große Preisunterschiede bei den Mahlzeiten

Dabei zeigte sich, dass es große Preisunterschiede bei den Mahlzeiten gibt: Essen weniger als 100 Kinder in der Schulkantine, sind laut der Studie vor allem die Personalkosten vergleichsweise hoch. Eine Mahlzeit kostet dort ohne staatlichen Zuschuss im Schnitt bis zu 7,46 Euro. Je mehr Kinder versorgt werden, desto geringer wird der Preis pro Mahlzeit – er liegt bei ganz großen Kantinen mit mehr als 600 Schülerinnen zum Teil nur noch bei 3,57 Euro.

Nach Angaben des Ministeriums essen täglich mehr als drei Millionen Schüler an Ganztagsschulen zu Mittag. Ziel gesunder Schulernährung ist auch, Übergewicht bei Kindern zu vermeiden. Nach Daten der größten deutschen Jugendgesundheitsstudie ist mehr als jedes siebte Kind in Deutschland übergewichtig oder sogar fettleibig. Die Zahl hat sich im Vergleich zu vor zehn Jahren auf hohem Niveau stabilisiert, wie das Robert Koch-Institut im Frühjahr berichtete.

Kritikerinnen und Kritiker werfen auch dem Staat hier Versäumnisse vor, etwa, weil er bislang nicht ausreichend darauf achtet, dass seine Fördermittel an bestimmte Verpflichtungen gebunden sind. "Bei der Schulverpflegung offenbart sich ein verheerendes Staatsversagen", sagte Martin Rücker von der Verbraucherschutzorganisation Foodwatch. Die Qualitätsstandards seien an den meisten Schulen noch immer nicht durchgesetzt. "Seit Jahren beklagen wir die verbreitete Fehlernährung und das grassierende Übergewicht von Kindern – aber nicht einmal in den Schulen, wo sie sich in staatliche Obhut begeben, können sie sich auf eine ausgewogene Ernährung verlassen." 

Bereits im Jahr 2007 hatte die DGE erstmals die Qualitätsstandards veröffentlicht: Die Ernährungsforscher empfehlen für Schulessen zum Beispiel täglich Getreide, Getreideprodukte oder Kartoffeln sowie Gemüse. Mindestens einmal wöchentlich soll es Seefisch und maximal zweimal pro Woche Fleisch oder Wurst geben. Vor vier Jahren ergab jedoch eine Studie im Auftrag des Bundesernährungsministeriums, dass das Angebot in Schulen häufig nicht gesund genug ist. Für Schülerinnen sollte es mehr Fisch und Gemüse geben, hieß es. Nur etwa jeder fünfte Schulspeiseplan entsprach zum Beispiel der DGE-Empfehlung, nach der höchstens zweimal pro Woche Fleisch serviert werden sollte.