Die Spaltung der Gesellschaft fängt immer früher an. Immer mehr Kinder besuchen keine staatliche Schule mehr, sondern werden von ihren Eltern auf eine Privatschule geschickt. Das stellt eine Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) fest. Demnach gehen neun Prozent aller Schülerinnen und Schüler auf eine privatwirtschaftlich betriebene Schule. In den neuen Bundesländern sind es sogar zehn Prozent der Schüler.

Für die Studie wurden Daten aus dem Sozio-oekonomischen Panel (SOEP) ausgewertet. Nicht überraschend war dabei die Erkenntnis, dass vor allem Akademikerinnen und Akademiker ihre Kinder auf Privatschulen schicken, die häufig eine bessere personelle Ausstattung als staatliche Schulen sowie oft ein breiteres Bildungsspektrum haben. Besonders in den ostdeutschen Bundesländern hänge der Besuch einer Privatschule vom Einkommen der Eltern ab. "Die soziale Segregation zwischen privaten und öffentlichen Schulen hat in den vergangenen 20 Jahren deutlich zugenommen", sagte Katja Spieß, die eine der Autorinnen ist.

In Westdeutschland gab es demnach 1995 noch keine Unterschiede: Damals besuchten ebenso viele Kinder mit Akademikereltern eine private Schule wie Kinder, die aus einem Haushalt stammten, in dem die Eltern keine Berufsausbildung hatten. 20 Jahre später, im Jahr 2015, zeigt sich ein anderes Bild: Fast 17 Prozent der Akademikerkinder besuchten zu diesem Zeitpunkt eine private Schule. Zwar gingen auch Kinder aus bildungsfernen Elternhäusern öfter auf eine Privatschule als 20 Jahre zuvor, mit sieben Prozent waren es jedoch deutlich weniger als aus bildungsnahen Elternhäusern.

Noch gravierender war die Entwicklung laut Studie in Ostdeutschland: Dort besuchten Kinder von Eltern ohne Berufsausbildung 1995 sogar etwas häufiger eine Privatschule als Kinder mit Akademikereltern. 20 Jahre später besuchen 23 Prozent der Akademikerkinder eine private Schule, aber nur vier Prozent der Kinder aus einem Arbeiterhaushalt. Im Osten spielt auch das Einkommen der Eltern eine wesentliche Rolle: Mehr als ein Fünftel der Kinder von Eltern mit dem höchsten Einkommen sind Privatschülerinnen und Privatschüler, aber nur acht Prozent der Kinder von Eltern, die bei den Haushaltseinkommen zu den untersten 20 Prozent gehören.